Es war Mittwoch

An einem Mittwoch fand sein Leben einen neuen Anfang. Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere und dennoch ein besonderer am Rande seines Lebens. Eine Tür wurde geöffnet, eine andere zugeschlagen.
In sieben langen Stunden darauf erlebte er den Blick in die Ewigkeit, eine Ewigkeit, die sieben lange Warteschleifen mit sich führte, bis ein Traum Gestalt annahm. Er wanderte schon eine geraume Zeit durch das Labyrinth eines durstigen Lebens, ohne Kompass und ohne Navigationshilfe. Zielloses Stolpern in einem Land voller Hoffnungslosigkeit, ohne Rastplatz und nur von der Sehnsucht beseelt, zu finden.hum4
Und dann war da ein Weg, ein Pfad in die Wirklichkeit, er hatte den Mut, ihn zu beschreiten. Es stand keine blühende Hecke am Wegesrand, kein Rosenduft benetzte die Luft. Dafür waren da Dornensträucher und Schlinggewächse, schön anzusehen, aber mit schmerzhaften Erfahrungen versehen.
Er kam an. Wirklich, er hatte diesen Schritt gewagt. Erstaunt über so viel Wagemut, überrascht von träumerischen Gedanken und realem Dasein, regte sich in ihm ein Gefühl von Stolz auf sich selbst. Dieser Sprung in das Bassin des neuen Lebens voller Unwägbarkeiten trieb ihn weiter in die Zukunft, in die er nicht hineinsehen konnte.
Wenn der erste Schritt getan, folgt der zweite unweigerlich. Wer bleibt schon gern am Anfang eines Pfades stehen?

Es heisst: Wer A sagt, muss auch B sagen. Ist das wirklich so?
Nein, bestimmt nicht immer, so mancher hat, - frei nach Bertold Brecht - gemerkt, dass A falsch war, ist folgerichtig wieder umgekehrt.
Er jedoch wusste seinerzeit, dass dieser Schritt unabänderlich richtig war, und tat also auch den nächsten Schritt. Das wiederum war ein Produkt seiner daraus resultierender Gedanken: Ein Zurück zum Status quo ante war zu keiner Zeit im Bereich seiner Erwägungen.
Klingt das hart? Nein, für ihn war es das Resultat langer Erwägungen und persönlicher Konsequenzen. Einmal nach langen Überlegungen eine Entscheidung getroffen, keinesfalls im ad hoc Verfahren, hatte er noch niemals in seinem langen Leben etwas Grundlegendes zurückgenommen.
Menschen aber benötigen als soziale Wesen Orientierung und Verhaltenssicherheit zur Notwendigkeit von individuell verlässlichen und kollektiv verbindlichen Prognosen. Ohne Prognosen bzw. einem Minimum an vorher planbarer Handlung ist soziales Handeln nicht möglich. Und ohne soziale Handlung kann ein Zusammenleben nicht gedeihlich funktionieren. Auch und gerade in Partnerschaften ist dies eminent wichtig.
Ein Neubeginn ist naturgemäß immer ein Schritt in die Ungewissheit. Was erwartet ihn? Welche Gefahren lauern auf ihn, wird er alles auf ihn einstürmende bewältigen können, kann er die Erwartungen erfüllen, die in ihn gesetzt werden?

A war richtig und B war ebenfalls zutreffend. Das weiss er heute, genau zwei Jahre nach seiner Entscheidung. Es war für ihn die Entscheidung seines Lebens, die er nicht zu bereuen hat. Und das ist schön, weil es dieses Glück ist, von dem man eigentlich immer träumt.
An einem Mittwoch also fand sein Leben aufs Neue statt. Sicher ein Tag wie jeder andere auch. Dann vergingen zwei Jahre, in denen ihm Entscheidungen abverlangt wurden, die nicht so einfach abgetan werden konnten; er kann aber heute sagen, dass er sich diese Entschlüsse nicht leicht gemacht hat! Und dennoch, rückblickend gesagt, würde er es immer wieder tun.
Warum? Das ist ein Grund, der ziemlich leicht und einfach zu beantworten ist: Er liebt einen Menschen, der für ihn alles ist.
Reicht das nicht aus, um das Unterste im Leben nach oben zu kehren? Reicht das nicht aus?

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