Zur Unzeit geboren

PoPark
2OBEN
2LINKS
2RECHTS



Die Zeit ist
wie ein Bild von Mosaik,
zu nah beschaut,
verwirrt es nur den Blick.
willst du des Ganzen
Art und Sinn verstehn,
so musst du’s, Freund,
aus rechter Ferne sehn.
(-Emanuel Geibel-)


Die Nacht im Wald

Wie ein Lampion hängt der weiße Mond in den Zweigen der Föhren. Die vor Kälte klirrende Nacht streckt ihre eisigen Hände nach den Menschen aus, die im Ginstergesträuch des Waldrands ein wenig Schutz suchen. Schutz vor den Kältetagen des frühen Märzmonats, Schutz aber auch vor den lehmbraunen Uniformen, die den ganzen Nachmittag dort auf der Straße hinter den Sanddünen vorbeizogen. Die drei Menschen liegen eng aneinander geschmiegt in der bewachsenen und mit einer dünnen Schneedecke bedeckten Sandmulde, jeder versucht dabei, den anderen ein wenig Wärme zu schenken. Die Nacht liegt noch vor ihnen, das Sternbild des Orion schiebt sich gerade über den Horizont hinaus und strahlt mit den anderen Sternen wetteifernd in unnachahmlicher Schönheit.
»Mama!« Ein halblautes Stimmchen, bebende Töne in der blauen Nacht. »Mama. Ich friere!« Der kleine vierjährige Junge zittert am ganzen Körper. Das kurze Mäntelchen schafft es nicht, dem winzigen Stück Leben die notwendige Wärme zu geben.
Der sieben Jahre ältere Junge hält dem Kleinen entsetzt den Mund zu.

»Pssst! Nicht sprechen, die können uns doch hören!«
Er flüstert es ihm leise ins Ohr. »Wir müssen noch etwas warten, dann gehen wir weiter.«
Er richtet sich halb auf und versucht, einen Blick auf die Mutter zu werfen, die an der anderen Seite des kleinen Jungen liegt. Anscheinend ist sie vor Erschöpfung eingeschlafen. Es ist ja auch kein Wunder, hat die Mutter doch den ganzen Tag den kleinen Jungen auf dem Arm getragen, konnte mit ihrem kranken Bein kaum noch laufen, während der Elfjährige den Rucksack schleppte, in dem die wichtigsten Dinge verstaut waren. Dazu zog er noch einen großen Wäschekorb aus Peddingrohr auf einem Kinderschlitten hinter sich her.
Alle anderen Gepäckstücke waren längst weggeworfen, säumten in endloser Reihe die Landstraße, auf der schon Tausende vorher unterwegs waren und sich ebenfalls von all dem getrennt hatten, was überflüssig geworden war. »Ich hab Hunger«, flüsterte der Kleine. »Ob Mama noch etwas zu essen hat?«
»Nein, da ist nichts mehr«
, raunt der große Bruder, »lass Mama noch ein bisschen schlafen, damit sie wieder Kraft hat. Wir müssen ja gleich weiter, bald wird es hell und dann sehen die uns leichter!«
»Wann sind wir denn bei Omi?«
flucht10
»Bald«, sagte der Junge, »bald!«
Und weiß doch genau, dass Großmutter daheimgeblieben ist, weil sie nicht mit wollte auf diese Flucht, weil sie körperlich nicht mehr in der Lage dazu war. Schweren Herzens hatte Mama sie zurückgelassen, ein stundenlanger Abschied war es, bis die Großmutter endlich energisch wurde und sie regelrecht aus dem Haus geworfen hatte. Die winkende Hand hinter der Gardine würde der Junge wohl niemals mehr in seinem Leben vergessen.
Und nun sind sie auf dem Weg nach Gotenhafen. Immer in Richtung Osten, auf heimlichen Wegen, die Mutter seit ihrer Kinderzeit noch kannte.

 Der kleine Junge zittert wieder vor Kälte und schmiegt sich eng an seinen Bruder. Dieser versucht vorsichtig seine Arme und Beine zu bewegen, um sie aus der Erstarrung der Kälte zu lösen.
Die Mutter schläft noch immer. Langsam wird er nun ungeduldig. Zwei Stunden, hatte Mutter gesagt, wenn es ruhiger sein wird, wenn keine russischen Soldaten auf der Straße unterwegs sind. Sie hatte Angst vor den entsetzlichen Taten, die diese Soldaten an der Zivilbevölkerung begangen hatten.
Inzwischen ist der Mond aber schon weit hinter den Bäumen verschwunden. Es sind bestimmt schon mehrere Stunden vergangen. Und Mutter wacht einfach nicht auf.
»Mama!« Er streckt seine Hand zur anderen Seite und rüttelt ein wenig an der Schulter der Mutter. Sie stöhnt leise im Schlaf! Der Junge richtet sich nun auf und sagt lauter:
»Mama! Wir müssen weiter. Hörst du? Wir m ü s s e n weiter!”
Mutter bewegt sich, erhebt sich langsam und reibt die Hände aneinander, schaut in den eisblauen Himmel und sagt dann leise:
»Es ist alles sinnlos. Ich kann nicht mehr! Wir können nicht mehr weiter.«
Der Kleine zieht unaufhörlich am Arm der Mutter. Dabei weint er laut. »Mama!« Der große Bruder wird nun energisch, steht vor seiner Mutter mit geballten Händen:
»So geht das nicht. Denk auch an uns. Soll Vater umsonst gestorben sein? Wir müssen weiterleben und nicht hier elend verrecken!«
Die umstehenden Ginsterbüsche scheinen ihm beifällig zuzuwinken. »Wir müssen weiter, und wir können auch weiter«.
Dann leiser: »Komm, Mama. Wir gehen jetzt! Bitte.«
Der große Junge schultert seinen Rucksack, nimmt den kleinen Bruder an die Hand, zieht dann den Schlitten hinter sich her. Teilnahmslos folgt die Mutter ihren Kindern, leise vor sich hinmurmelnd:
 »Es hat alles keinen Zweck, glaubt mir das doch ...«orion_s
Und sie gehen weiter in die Nacht hinein, irgendwo zwischen Ostsee und der Unendlichkeit, verschlungene Wege entlang immer weiter nach Osten. Und hoch oben zwischen den drei Gürtelsternen des Orion, funkelt ein kleiner Stern erstaunlich hell, als wolle er den drei Menschen Mut zusprechen.

Wenn das Abendrot niedergesunken,
keine freudige Farbe mehr spricht
und die Kränze still leuchtender Funken
die Nacht um die schattichte Stirne flicht:
wehet der Sterne
heiliger Sinn
leis durch die Ferne
bis zu mir hin.
(-Clemens Brentano, Sprich aus der Ferne-)

 


Wie viele Gesichter hat ein Tag?

Der Tag hat viele Gesichter. Sie ändern sich von Stunde zu Stunde, ja fast von Minute zu Minute. Manchmal sind sie wie ein Januskopf, vorn die gute Seite, die Menschlichkeit; auf der Rückseite aber das Böse, Unbarmherzige.
Die drei Menschen sind die ganze Nacht unterwegs. Ein am Wegrand gefundener Soldatenmantel spendet dem kleinen Jungen etwas Schutz vor der beißenden Kälte. So zieht der Große mit dem Gepäckschlitten durch die eisige Nacht, den kleinen Bruder oben aufsitzend. Die Mutter, sehr geschwächt durch ihre Kniegelenkentzündung, hat dem großen Jungen inzwischen den Rucksack abgenommen, schafft ihm damit ein wenig Erleichterung.

Und dann, wie einem Bilderbuch entsprungen, erscheint aus der Kälte des nahenden Morgens das Gesicht dieses Gutshauses. Ein kunstvoll geschmiedetes Tor, die Allee von Pappeln durch einen großen Park führt über ein Rondell zu einer breiten Freitreppe. Pausbäckige Puttengesichter umrahmen die Auffahrt, lächeln sorglos in den klirrenden Sonnenaufgang hinein. Friedlicher könnte ein Bild nicht sein. Hier wird es Schutz, Wärme, Nahrung geben. Hier scheint Sicherheit zu sein. Ist es nur eine trügerische Sicherheit?
Das große Portal steht weit offen. Weit und breit ist kein Lebewesen zu sehen. Der Junge befreit seinen kleinen Bruder aus seiner Vermummung. Er wimmert leise vor sich hin, kann kaum stehen, die kleinen Glieder sind von der Kälte steif geworden. Er nimmt ihn an die Hand, die Mutter folgt ihnen zaghaft, vorsichtig betreten sie die große Halle des Gutshauses. Niemand ist hier, den man um Erlaubnis fragen könnte. Dafür aber ein infernalischer Anblick: ausgebreitetes Stroh, wirr durcheinander liegende Möbelstücke, Kleidung, Gepäckstücke. Dazwischen eine Anzahl still und reglos liegender Menschen. Spiegelnd gefrorene Blutlachen, blicklose starre Augen, offene Münder, die wie nach Barmherzigkeit schreienden Lippen weiß und bereift. Ein undefinierbarer Geruch liegt in der Luft. Riecht so der Tod?

Der Junge ist stumm vor Angst, vorsichtig zieht er Mutter und Bruder an der Wand entlang hinter sich her, bemüht sich dabei, nicht auf die toten Menschen zu schauen. So stolpern sie durch die Halle auf eine Tür zu, die nach unten führt in das Untergeschoss des Hauses.
Auf der breiten Treppe des Untergeschosses stolpern die Kinder über einen dort liegenden Mann mit schwarz-weiß gestreifter Weste. Instinktiv stößt der Junge ein »Entschuldigen Sie« hervor, bevor er merkt, dass dieser Diener nichts mehr sagen kann.
Dann, dort die riesengroße Küche! Töpfe, Pfannen, zerschlagenes Geschirr. In einer Ecke auf dem schachbrettartig gefliesten Boden sitzt eine Frau in blauer Schürze und starrt die Kinder an.
Der Schreck fährt dem Jungen in die Glieder. Doch dann spürt er, dass diese Frau nichts mehr sagen wird, sagen kann! Der Hunger überdeckt das Gefühl des Grauens. Glücklicherweise aber sind hier keine weiteren Leichen zu sehen. Der Junge durchwühlt verzweifelt die hohen Wandschränke nach Essbarem.
»Das dürfen wir nicht!«
Die Mutter ruft es mit sich überschlagener Diskantstimme.
»Wir können doch nicht einfach ...«
Der Junge schaut nur kurz auf, sucht dann weiter. Es ist nicht viel, was sich da findet. Ein halbes hartes Brot, eine weiche pommersche Mettwurst, deren Haut schon Schimmel zeigt. Dort noch ein Weckglas mit eingekochtem Fleisch, in einer hohen Emaillekanne ein Getränk, das sicher einmal Pfefferminztee war, ein paar verschrumpelte Äpfel. Welche Schätze!
Der Hunger der drei Menschen kennt keinen Ekel, keine Vorsicht mehr. Die Tage fast ohne Essen machen sich bemerkbar. Sie stopfen in sich hinein, was sie essen können, einiges passt noch in den kleinen Rucksack des Jungen.
Durch das Fenster des Souterrains schaut zaghaft eine hell-orange-farbene Morgensonne. Als ob sie nach dem Rechten sehen wollte, strahlt sie Ruhe und Frieden aus.
Der Lebenswille erhebt sich aus der grauen Welt des Todes, ergreift die Hand der Menschen und zeigt ihnen den Weg durch den Kellereingang zum Garten hinaus. Es ist immer noch sehr kalt. Der Atem schwebt einem Nebel gleich vor ihrem Gesicht, als wolle er ihnen den Weg zeigen. Wieder zurück an der Landstraße liest der Junge auf einem verwitterten Ortsschild:

Groß-Boschpol,
Kreis Lauenburg/Pom.
 

Er weiß nun, dass sie auf dem richtigen Weg sind, Wenn er noch die Karte richtig im Kopf hatte, mussten es noch etwa 50 km in ostwärtiger Richtung sein. Es zahlte sich nun aus, dass »Heimatkunde« sein Lieblingsfach in der Schule war.
In der Ferne ist ein ständiges Donnergrollen hörbar. Kanonendonner, das weiß er schon von den Vortagen. Es ist ein Geräusch, das Angst macht, eine Angst, die der Elfjährige nicht definieren kann.
Der Junge weiß nur instinktiv, dass sie vor diesem Grollen fortlaufen müssen, immer weiter. Und so machen sie sich wieder auf den Weg, der Junge zieht den Schlitten mit dem kleinen Bruder durch die klirrende Kälte die Chaussee entlang, die Mutter folgt teilnahmslos.
Dann plötzlich ein Geräusch, das sich aus diesem Donnergrollen hervorhebt. Motorengeräusch hinter ihnen. Blitzartig zieht der Junge den Schlitten in den Straßengraben, stolpert dabei über eine hartgefrorene Frauenleiche, holt dann auch Mutter und das Brüderchen nach und wirft sich selbst darüber. Der Kleine schreit auf, es war wohl sehr schmerzhaft, dieser Fall in den hart gefrorenen Graben.
Dann – ganz vorsichtig, lugt er über die Grabenkante hinweg in die Richtung, aus der das Motorengeräusch kommt. Militärfahrzeuge.
Es sind Soldaten, die aus westlicher Richtung kommen. Noch lässt sich nicht erkennen, ob es russische Truppen sind. Die Angst wächst in ihm, zu viel hat er schon von den Gräueltaten dieser siegreichen Sowjetarmee gehört; in den letzten Tagen zu viele der leblosen Opfer gesehen.
Dann jedoch erkennt er ein untrügliches Zeichen am vordersten Wagen: »OPEL-BLITZ«. Und er weiß: Das sind Deutsche, eigene Soldaten, bei denen es nun vielleicht Hilfe gibt.
Der Tag hat viele Gesichter. Das Gesicht der Hilfe, der Rettung. Mühsam erklettert der Junge den Grabenrand, zieht Mutter und Bruder mit großer Kraftanstrengung hinterher und winkt dann zaghaft mit der freien Hand dem Fahrzeug entgegen. Das Vorderste von einem halben Dutzend Fahrzeugen hält unmittelbar vor den Kindern. Ein dick vermummter Feldwebel springt aus dem Wagen, wortlos holt er die Drei ins Fahrerhaus.
Die Mutter findet auf dem Rücksitz einen Platz. Ein anderer Soldat nimmt den Kleinen auf den Schoß und dann setzt sich die Wagenkolonne wieder in Bewegung. Der Schlitten mit dem restlichen Gepäck bleibt zurück, vergrößert das Volumen der weggeworfenen Habe der geflüchteten Menschen.flucht07
»Nach Osten fahren wir«, sagte der Feldwebel, »ist euch doch recht?«
Mutter schweigt, ängstlich, mit schmerzverzerrtem Gesicht.
Das bärtige Gesicht des Feldwebels lächelt schelmisch. Der Junge nickt nur. Solch ein vertrauenswürdiges Lächeln sah er schon lange nicht mehr.
Nach Osten. Ihm kommt ein Lied in den Sinn, das er im letzten Jahr gelernt hat:  »Nach Ostland geht unsere Fahrt ...« Welch eine unsinnige Gedankenverbindung, wie kommt er nur darauf?
Der andere Soldat, ein Obergefreiter, nestelt in seiner Manteltasche und holt dann eine runde Blechdose hervor. So etwas haben die Kinder noch nie gesehen.
Es ist Schoka-Kola 1, diese koffeinhaltige Schokolade, die manchmal zur Ration der Soldaten gehört. Die Augen der Kinder werden immer größer, als der Soldat diese Schokolade an sie verteilte. Es ist ein kleiner Festschmaus, bis der Fahrer sagt:
»Jetzt aber Schluss, sonst kriegt euer Magen noch Schwierigkeiten! Ich weiß, wovon ich rede, habe selbst zwei Kinder zu Haus!«
Er wird still. Denkt wahrscheinlich an seine Familie. Die Fröhlichkeit verfliegt so schnell, wie sie kam. Wieder ein neues Gesicht des Tages.
So fahren sie weiter in die Morgensonne hinein. Aber auch hier, an dieser Straße des Elends Bilder des Grauens. Weggeworfene Gepäckstücke, steinhart gefrorene Leichen am Straßenrand, aufgedunsene Pferdekadaver, zerbrochene Pferdefuhrwerke. An einem der Pferdewagen ein kleines Namensschild: “Allenstein!”

Aber Allenstein liegt in Ostpreußen, diese Menschen sind also erst nach Westen geflohen und dann wieder zurück nach Osten, da der Weg nach Westen schon abgeschnitten war. Was mag mit ihnen geschehen sein?
Dieser Tag hat viele Gesichter. Sogar ein Gesicht mit ein wenig Zufriedenheit. Und diese Fahrt in die Morgensonne hat auch etwas Tröstliches für die drei Menschen. Es ist ein Aufbruch in eine Zukunft, die zwar noch ungewiss ist, die aber Hoffnung heißen kann. Und morgen wird der Tag wieder ein anderes Gesicht haben.

Zwischen
zu früh
und zu spät
liegt immer nur
ein Augenblick.
(-Franz Werfel-)

 


Und ein neuer Morgen ...

Abendliche Stimmung. Ein roter Sonnenuntergang im Osten! Wie seltsam. Im Westen ebenfalls. Dunkelheit breitet ganz sacht ein rötlich-graues Schattentuch über das Elend am Ortsrand von Gotenhafen. In der Ferne grollt der Donner, erzeugter Donner aus Hunderten von Geschützen.
Ein Junge im Alter von elf Jahren, in der blauen Winter-Uniform eines Jungvolkjungen3, ein aufgenähtes dreieckiges Emblem auf dem Oberarm mit den Buchstaben »Ostpommern«, steht verloren in den Mauerruinen am Rande von Gotenhafen. Der kleine vierjährige Bruder an seiner Hand weint leise in sich hinein. Vor Kälte, vor Angst, vor Schmerzen - weiß er es selbst? 
Die Mutter hinkt mit ihrem lädierten Bein und vor Schmerzen stöhnend hinter ihnen her.
Der Junge redet mit beruhigenden Worten auf sie ein.
»Wir kommen schon irgendwo unter«, flüstert er ihr zu, »Verlass dich nur ganz auf mich!«
Er zeigt in Richtung der Stadt, aus der ein rötlicher Schein den Weg weist. Unzählige Menschen, dunkle Gestalten mit und ohne Gepäck schleppen sich die Straße entlang, zwischen Häuserruinen, Pferdekadavern, Resten von ausgebrannten Lkws und toten Menschen. Alle haben nur ein Ziel: Sicherheit zu finden, Ruhe und ein Dach über dem Kopf. Ein schneidender eiskalter Wind fegt zwischen die Häuserzeilen, in der Luft liegt ein beißender Geruch von kaltem Rauch.
»Wir schaffen das, ganz bestimmt schaffen wir das, das verspreche ich euch!«
Voll Vertrauen schaut die Mutter ihn an, ihre blauen Augen sind rotverweint und dennoch lächelt sie ein wenig:
»Ja«, sagt sie dann, »ja, das schaffen wir!«
Sie drückt ganz fest die Hand ihres großen Jungen.
Der nimmt dann den Rucksack auf und sie gehen in den grauen Abend hinein, den Ruinen der Innenstadt entgegen.

***


Bis zum Stadtrand von Gotenhafen waren sie von einem Militärkonvoi mitgenommen worden. Vielfach mussten sie unterwegs aus dem Wagen springen, russische Tiefflieger flogen die Straße entlang und beschossen mit Maschinengewehren die Wehrmachtsfahrzeuge. Fünf der Lkws waren zusammengeschossen worden, viele Soldaten hatten dabei den Tod gefunden. Lediglich das erste Fahrzeug war wie durch ein Wunder nicht beschädigt worden, die noch lebenden, aber verwundeten Soldaten fanden auf der Ladefläche Platz und so raste der letzte Wagen auf der schneebedeckten Landstraße weiter, immer dem roten Schein am Horizont entgegen.
Sie kamen bis kurz vor Gotenhafen. Dort stand Militärpolizei, »Kettenhunde« genannt wegen des Metallschildes, das sie an einer Kette um den Hals trugen. 

Die Insassen wurden aus dem Wagen herausgeholt, der Fahrer und der Feldwebel mit der Maschinenpistole bedroht und um den Wagen herum geführt. Mutter und Kinder hörten ein lautes Brüllen der Militärpolizisten, dann die Stimme des Feldwebels, ruhig und besonnen. Kurz darauf fielen zwei Schüsse.
Danach war alles still. Die Polizisten kamen um den Wagen herum, stiegen ein und fuhren mit den übrigen verwundeten Soldaten davon.
Mutter stand fassungslos und geschockt da, schüttelte andauernd mit dem Kopf. Der Junge ging ganz langsam mit schweren Schritten auf die beiden Bündel zu, die dort im schmutzigen Schneematsch des Straßenrands lagen. Es waren die Menschen, die ihnen ermöglicht hatten, bis hierher zu kommen, es waren die Menschen, die mit ihnen kurz vorher noch im Fahrerhaus gesessen und gescherzt hatten.
Nun blickten ihre stummen leeren Augen fragend zum Himmel. Fragend nach der Sinnlosigkeit des Ganzen ...
Die Erkennungsmarken hatten die Polizisten ihnen wohl abgenommen. Aber der Junge kannte den Namen des bärtigen Feldwebels: Eduard hieß der freundliche Soldat, der auch Kinder zu Hause hatte.
In St.Pölten, in Niederösterreich, werden nun zwei Kinder auf ihren Vater warten, wird eine Frau Tag für Tag vergeblich nach einem Feldpostbrief Ausschau halten. Niemand wird da sein, der ihnen sagt, dass der Vater gestorben ist, sinnlos getötet von eigenen Leuten für eine sinnlose Sache in einem ebenso sinnlosen Krieg.


***

Und nun sind die Kinder mit der Mutter auf dem Weg in die Innenstadt von Gotenhafen. Auf dem Weg in die Wärme, in das Leben zurück. flucht02
Wo immer dieses Leben auch wohnt, sie wollen es erreichen. Ihr Selbsterhaltungstrieb ist stärker als die Angst, ist stärker als die Trauer um die zurückgelassenen Menschen.
Bittere Kälte zwingt die Drei dazu, immer weiter zu gehen, auch wenn die Beine längst nicht mehr können.
Mutter wankt teilnahmslos mit schmerzverzerrtem Gesicht voran. Ihre Kniegelenkentzündung macht ihr arg zu schaffen. Der Junge, den kleinen Rucksack mit der restlichen Habe auf dem Rücken, zieht den kleinen Bruder an der Hand hinter sich her. Unablässig redet er mit ihm.
»Wir müssen weiter, komm schon, bis dort hinten, es geht noch. Bis zur nächsten Ecke schaffst du es noch.«
Mit übermenschlicher Anstrengung holen die drei Menschen immer wieder die letzten Kraftreserven aus sich heraus. Dann, irgendwann am späten Abend treffen sie auf ein Hinweisschild:
Flüchtlingssammelstelle
Gotenkino
Nur für Mütter mit Kindern

Eine große Anzahl grauer, abgezehrter Menschen trifft hier ein. Rot-Kreuz-Schwestern versuchen, einen Hauch von Ordnung in das Chaos der ankommenden Flüchtlinge zu bringen. Mütter mit Kindern auf dem Arm oder an der Hand, dick vermummt, schälen sich aus ihrer Kleidung.
Alte Männer mit trostlosen Augen schieben sich den Aufgang zum Kino hinauf, werden dort von Ordnungskräften der NSV abgewiesen und wieder zurück auf die Straße geschickt.
Ein SS-Mann mit einer Armprothese ist hier der Leiter dieser Sammelstelle. Rigoros wird abgewiesen, wer seiner Meinung nach nicht hierher gehört. Ordnung muss sein, selbst im Untergang hat die Disziplin Vorrang, muss Verwaltung ihre Bestätigung haben. Auf jeden Fall scheint hier die sehnlichst erwartete Hilfe zu sein.
Die kleine Familie kommt an der ehemaligen Garderobe vorbei, dort sitzen zwei Marinehelferinnen5, die alle Ankömmlinge registrieren.
Sie werden danach durchgewunken in den Kinosaal.
Ein riesiger Raum voller Menschen. Alle Reihen der ungepolsterten Klappstühle sind besetzt, Stimmengewirr beherrscht die Szene. Kinder weinen, Frauen schimpfen und zetern. Ein beispielloser Geruch beherrscht den großen Raum, ein Gemisch von Schweiß, Urin, feuchter Kleidung. Die beiden Kinder mit der Mutter finden nach langem Kampf mit Ellenbogen und Worten einen Platz neben einem Notausgang. Hier ist sich jeder selbst am Nächsten, das spüren sie. Hier gilt die Nächstenliebe keinen Deut! Nur der Stärkere hat die Möglichkeit, das Überleben zu sichern.
Der Junge setzt sich durch, gegen zwei resolute Frauen mit einigen Kindern behält er die Oberhand. Er bringt sie dazu, ihre Nerzmäntel zur Seite zu schieben und Platz zu schaffen. Dann kramt er in seinem Rucksack. Etwas Essbares muss doch noch da sein, ein Stück hartes Brot vom Morgen. Und auch einige Stückchen von der Schoka-Kola-Schokolade, dem Geschenk der beiden Soldaten,
die jetzt weit von hier in dem gefrorenen schmutzigen Schnee der Straße liegen.
Der kleine Bruder ist inzwischen vor Erschöpfung eingeschlafen. Ist nicht mehr wach zu kriegen. Mutter stöhnt leise vor Schmerzen, ihr linkes Knie ist stark geschwollen. Eine Rot-Kreuz-Schwester bringt ein Medikament zum Einreiben, viel hilft es der Muter aber nicht. Der Junge nimmt ein kleines Stückchen Schokolade, teilt es mit der Mutter, und lässt diese Köstlichkeit dann ganz langsam im Munde zergehen.
Die Frauen nebenan auf ihren Pelzmänteln sehen neidvoll herüber. Ihm ist es einerlei, er weiß, er braucht alle Kraft, um weiter zu kommen, um zu überleben.
Er muss seine kleine Familie auf einen Weg bringen, der voller Ungewissheit ist. Und dieser Weg ist noch lange nicht zu Ende. Es wird wieder einen Morgen geben, und einen Abend und wieder einen Morgen ...


Den Schmuck der Zweige habt ihr abgehauen,
da steh ich, ein entlaubter Stamm!
Doch innen im Marke lebt die schaffende Gewalt,
die sprossend eine Welt aus sich geboren.
- Schiller, Wallensteins Tod III,13 -

 



Vielleicht nur geträumt?


»Als die dämmernde Frühe mit Rosenfingern erwachte, erhob sich eilend der Jüngling von seinem schwellenden Lager ...«
So hätte man es bei Homer in der Odyssee lesen können. Irgendwie ist dieser Morgen nicht so ganz ein Abbild des alten Klassikers.
Die dämmernde Frühe erwacht in der Gestalt des einarmigen SS-Oberscharführers, der mit schneidender Stimme seinen Weckruf erschallen lässt. Und das schwellende Lager hat das Aussehen eines nach Bohnerwachs riechenden Fußbodens in einem Kinosaal, der schon lange keine Filme mehr gesehen hat.
Nach langem Anstehen eine kleine Katzenwäsche in völlig überfüllten Toilettenräumen. Der Junge erklärt seiner Mutter und dem Brüderchen, dass er sich jetzt erst um etwas Essbares bemühen will und sie deshalb eine Zeit allein bleiben müssen. Der Kleine weint, kann das noch nicht einsehen. Genervt schreit er ihn an, zum ersten Mal schreit er den kleinen Jungen an. Eingeschüchtert sieht der zu ihm auf, versteht die Welt nicht mehr, seine Tränen sind plötzlich wie eingefroren.
Sofort nimmt die Mutter ihn in den Arm und tröstet ihn. Schaut den Großen dann vorwurfsvoll an. Der ist nun doch etwas beruhigt als er die beiden mit seinem Rucksack zurücklässt. Mit drei Blechtassen bewaffnet bahnt sich der Junge durch die Menschenmassen einen Weg ins Foyer des Kinos.
Einige Rot-Kreuz-Schwestern verteilen dort Brot, Marmelade und heiße Milch. Ein fast aussichtsloses Unternehmen und doch grenzt es an ein Wunder, dass nach einiger Zeit jeder dieser Menschen Essen bekommen hat. Auch Mutter und die beiden Kinder stärken sich mit diesem frugalen Frühstück. Dem Jungen ist es sogar gelungen, noch eine vierte Portion als »Eiserne Reserve« zu ergattern.
Fast unbemerkt leert sich dann der große Kinosaal zusehends. Herrschte hier bis dahin ein lärmendes Tohuwabohu, wird es immer ruhiger.
Eine junge Frau in der Uniform der Marinehelferinnen kommt mit einer Liste zu den beiden, spricht Mutter an: »Welcher Buchstabe?« Verständnislos schaut Mutter die junge Frau an.
Die fragt nochmals: »Familienname, Anfangsbuchstabe?«
Ach so, das meint sie also. Der große Junge gibt ihr nun an Mutters Stelle Auskunft. Die Marinehelferin schaut auf ihre Liste.
»Marineheim«, sagt sie dann, »Mütter mit Kindern sammeln sich im Marineheim unten am Hafen. Links raus und die Straße runter. Hier sind die Papiere. Haben sie das verstanden?«
 Mutter schaut sie verwirrt an.
»Und ein bisschen Beeilung, wir brauchen den Platz«, meint die Frau dann noch. Man erklärt ihnen noch, wie sie gehen müssen, dann sind sie zusammen mit einigen anderen Müttern auf dem Weg zum Marineheim. Keine Ahnung, was nun kommt. Sie wollen doch auf ein Schiff, das ist sicher, aber wie soll das weitergehen?

Dieses Marineheim ist ein Sammelpunkt nur für Mütter mit Kindern. Die Aufnahme hier geht ohne Probleme vor sich. Sie bekommen eine abgeteilte Ecke des großen Speisesaals zugeteilt. Es ist  sogar ein großer Tisch vorhanden, der nachts umgedreht als Bett dienen soll. Und Decken sind da, jede Menge Decken.
Dazu Duschräume, die zeitweilig sogar warmes Wasser haben. Aus der Feldküche soll es täglich auch eine warme Mahlzeit geben.
Der Oberbootsmann, der hier die Leitung hat, achtet auf peinliche Sauberkeit. Mutters lädiertes Bein wird von einem Sanitäter behandelt, damit die Schmerzen erträglicher werden. Es hilft etwas. Die Kinder bekommen sogar einigermaßen passende Kleidung. Seine blaue Winteruniform muss der Junge abgeben, zu gefährlich, sagt man, falls die russischen Soldaten doch noch vorher die Stadt einnehmen würden.
 Diese letzte Woche hat den großen Jungen reifen lassen, hat ihm Erfahrungen eingebracht, an die er vorher nicht im Traum hätte denken können. Und vor einem Monat machte er noch Geländespiele beim Jungvolk der HJ.
Wie schnell die Zeit sich doch wandeln kann! Wie schnell ist es möglich, Kindern ihre Kindheit zu stehlen.
In der Innenstadt sollen Vorräte von Brot und Wurst verteilt werden, eine bestimmte Ausgabestelle soll da wohl vorgesehen sein.
Berechtigungsscheine werden ausgegeben, dann macht sich von jeder Familie einer auf den Weg. Der Junge wird die Verpflegung besorgen, Mutter kann den langen Weg unmöglich gehen, es sollen immerhin etwa drei Kilometer bis zur Ausgabestelle sein. Er verabschiedet sich von dem kleinen Bruder und der Mutter, er weiß ja inzwischen, dass sie gut betreut werden. Dann macht er sich mit einigen Frauen auf den Weg.

Unterwegs werden sie mehrere Male von russischen Tieffliegern beschossen, kommen aber irgendwann doch unbeschadet bei dem Verpflegungslager an. Hier gibt es wirklich fast alles, was das Herz begehrt. Die Marine hat rechtzeitig ihre Nachschublager geöffnet und verteilt alles an die Flüchtlinge, die zu Tausenden in der Stadt sind. Einige Stunden dauert das Verteilen der Lebensmittel.
Gegen Abend trifft der Junge dann wieder beim Marineheim  ein. Er freut sich schon auf seine kleine Familie. Und auch auf die Augen der Mutter ist er gespannt, wenn er seine Mitbringsel auspacken wird. Dort ist schon der Bahnübergang, die rot-weißen Schranken, die Gleise die zum Hafen führen. Er überquert die Schienen, biegt rechts ab. In einem kleinen parkähnlichen Garten liegt das Marineheim. Es diente bisher zur Erholung und Freizeitgestaltung der Matrosen, die hier stationiert waren.
Es lag jedenfalls früher einmal dort. Jetzt stehen da nur noch Reste dieses Hauses, inmitten eines riesigen Haufens von Schutt, Trümmer, Glassplittern und zerbrochenen Möbelstücken.
Leichen von Kindern, teilweise zerstückelt; Menschen, die herumirren, verletzte Frauen, Kinder.
Gisela, das große Mädchen in der BDM-Uniform, in Tilsit zu Hause, mit dem er sich gestern noch nett und lange unterhalten hat, liegt in einer Blutlache, die Augen weit aufgerissen. Ein Marinesoldat in feldgrauer Uniform, das EK-1 an seiner Uniformjacke, einen Arm im Gipsverband, dreht sich ständig um seine eigene Achse als suche er eine bestimmte Richtung, bis er in sich zusammenfällt.
Der Junge steht starr und kann alles nicht fassen.
»Vier Bomben waren es nur, hört er hinter sich sagen, »dann war alles vorbei«.
Dann war alles vorbei, für viele der Flüchtenden war  alles vorbei. Gottlob, am Rande der Trümmer inmitten der Gesteinsbrocken sitzen teilnahmslos seine Mutter und der kleine Bruder. Die Mutter schaut ihn mit leblos scheinenden Augen an, der Kleine weint still vor sich hin.
Ein Kind, elfjährig, steht auf den Trümmern der Lebendigkeit - teilnahmslos, ohne Regung, als schliefe er.
Vielleicht wacht er plötzlich auf und irgend jemand sagt zu ihm: »Kleiner, du hast nur schlecht geträumt!«
Vielleicht ...

Du kamst, du gingst mit leiser Spur,
ein flücht‘ger Gast im Erdenland.
Woher? Wohin? Wir wissen nur:
Aus Gottes Hand in Gottes Hand!
(-Ludwig Uhland, Auf den Tod eines Kindes-)

 


Der Tag, an dem die Sonne verzweifelte.


Gotenhafen. Hafenbecken II. schmutzig grauer Schnee auf dem Granitpflaster des Kais. Zerschossene Fahrzeuge säumen die Wasserfront des Hafens, weggeworfene Waffen garnieren sie wenig malerisch. Abbilder einer chaotischen Auflösung, Kriegsschrott als Überbleibsel einer hochgerüsteten Kriegsmaschinerie.flucht11
Eine fahle Sonne versucht, den Morgenschleier des Märztages zu durchdringen. Vergebliches Bemühen. Lebt die Sonne noch? Lebt das Leben noch? Anscheinend erwacht das Leben doch immer wieder aufs Neue, denn unzählige Menschen stehen am Kai, starren sehnsüchtig hinaus zur Hafeneinfahrt. Neben einer von Bomben getroffenen Gulaschkanone liegen die Leichen von zwei deutschen Matrosen.
 Ein gestrandetes Pferdefuhrwerk auf den Bahngleisen, die aufgetriebenen Pferdeleiber noch in den Sielen. Unmengen von weggeworfenen Gepäckstücken, Koffer, Kartons, Wäschekörbe voller Hausrat wahllos und in aller Hast zerstreut. Ein blutrotes Federbett versucht mit seinen Eingeweiden aus Daunen mit dem zerfetzten Körper einer jungen Frau zu konkurrieren.

Vergessen, nicht beachtet. Jeder hat mit sich selbst zu tun. Was ist da schon ein Toter mehr oder weniger? Viele, viele Menschen mit grauen Gesichtern sitzen, stehen zwischen den Überresten ihres eigenen Lebens. Frauen mit leeren Augen versuchen ihre weinenden Kinder zu beruhigen, alte Menschen sehen verständnislos in das Gewirr
dieses Morgens. Verwundete Soldaten mit Gipsverbänden, mit behelfsmäßigen Krücken, blutig braune Binden bilden einen farbigen Kontrast zum Feldgrau der Uniformen.
Dann, der Morgen ist schon fortgeschritten, drei kleine Hafenschlepper schieben sich durch den Dunst an die Hafenmauer, legen an und machen fest. Eine provisorische Gangway verbindet das Schiff mit dem Kai. Mehrere Matrosen versuchen, Ordnung in das einsetzende Chaos zu bringen. Mit wildem Geschrei und auch manchem Kolbenstoß ihrer Waffen gelingt es einigermaßen. Schiffskarten werden verlangt, ohne diese ist an ein vorzeitiges Wegkommen nicht zu denken. Sie haben an diesem Tage die Wichtigkeit von Versicherungsscheinen!
Der Junge und seine beiden Schutzbefohlenen stehen wie verloren inmitten all dieser Menschen, nur einen kleinen Rucksack mit einigen Utensilien als Reisegepäck auf dem Rücken. Nichts ist ihnen geblieben außer zwei emaillierten Schüsseln, einigen Löffeln, einem schmutzigen Handtuch und einigen kleinen Wäschestücken. Nichts blieb ihnen auch vom Rest ihrer Familie, nichts von den Kindertagen, den unbeschwerten Freuden.
Er schaut mit brennenden Augen über das Wasser des Hafens hinüber zu den zerbombten Häusern. In Gedanken sieht er die toten Kinder zwischen den Trümmern liegen, erstaunte Blicke aus starren blauen Kinderaugen haben ihn bis hierher begleitet.
Die Gedanken kreisen um die letzten Stunden. Aber auch Tränen gibt es nicht mehr. Sie blieben dort drüben beim Marineheim zurück, als die Toten dieses Tages notdürftig begraben wurden.

Und nun hält er diese drei kleinen blauen Stückchen Karton in der Hand, die der Obermaat ihm in die Hand gedrückt hatte.
»Ich wünsche euch Glück, viel Glück, ihr werdet es brauchen«, hatte der dann zu ihnen gesagt, die Kinder kurz in den Arm genommen.

Und dann zur Mutter gemeint:
»Geht möglichst gleich zum Hafenbecken II, dort werdet ihr abgeholt, die Schiffe liegen draußen auf der Reede!«
Der Obermaat hatte ihm noch einmal in die Augen gesehen und ihn dann mit einem Klaps in Richtung Hafen geschoben. Der Junge drehte sich noch einige Male um, so lange, bis die Trümmer des Hauses und der Matrose im Dunkel verschwanden.
»NETZLEGER IV« steht auf der Schiffskarte, dazu einige ihm unverständliche Zahlen und Wörter. Der Junge weiß, was ein Netzleger8 ist, diese Schiffe verlegten bisher U-Boot-Sperrnetze vor den Hafeneinfahrten zum Schutz gegen feindliche U-Boote. Nun aber scheint er die Brücke zum rettenden Ufer der Sicherheit zu sein.
Die Einschiffung auf dem Hafenschlepper startet überraschend reibungsloser als erwartet. Innerhalb einer knappen Viertelstunde ist der Schlepper mit Menschen beladen, die nichts anderes wollen als Gotenhafen hinter sich zu lassen. Und auch die beiden anderen Schlepper sind inzwischen beladen. Alle drei Schiffe legen ab und streben eilig der Hafenausfahrt zu, wo auf der Reede bereits einige größere Schiffe auf sie warten. Zum überwiegenden Teil sind diese schon voll mit Flüchtlingen beladen, nehmen nur noch zusätzlich Menschen auf.
Urplötzlich ist es dann mit der Ordnung vorbei! Irgendjemand von der Besatzung schreit: »Volle Deckung!« Und wie aus heiterem Himmel stoßen drei sowjetische Schlachtflugzeuge aus dem nebelverhangenen Himmel auf den Hafen herunter. Sie feuern aus allen Rohren auf die Schiffe.
Ein Aufschrei aus vielen Kehlen hallt durch den Morgen, mischt sich mit dem Knattern der Flugzeugkanonen zu einem höllischen Spektakel.
Markerschütternde Schreie schallen über das kleine Schiff, lautes Weinen und Klagen umrahmen ein Bild des Schreckens. Viele der Flüchtlinge finden bei diesem Luftangriff den Tod, unzählige sind verwundet. Der Junge konnte zusammen mit Mutter und Bruder unter die hintere Heckverkleidung des Hafenschleppers kriechen, dort zwischen öligen Ketten und geteerten Tauen überstehen sie alles schadlos. Dabei haben sie noch Glück im Unglück, keine der abgeworfenen Bomben trifft das Schiff direkt. Einer der anderen Schlepper hinter ihnen hat dieses Glück nicht, ein Volltreffer hat das kleine Schiff bewegungsunfähig gemacht. Es liegt nun mit Schlagseite kurz vor der Hafenausfahrt.
Die noch lebenden Menschen werden übernommen, zum Teil aus dem eiskalten Wasser gefischt. All dies geschieht mit höchster Eile, jeden Moment können die Flugzeuge zurückkommen und sie erneut unter Beschuss nehmen.
Die Kinder und ihre Mutter kommen aus ihrem Unterschlupf hervor, über und über verschmutzt, Mutter stöhnt vor Schmerzen, ihr Gesicht ist völlig verzerrt.
Neben ihnen an der Bordwand sitzt eine weißhaarige alte Dame in einem hellbraunen Kamelhaarmantel, einen selbst gestrickten Schal um den Kopf geschlungen, hält ihren Mann im Arm und redet ständig auf ihn ein. Ihr Murmeln ist nicht zu verstehen. Sein blutdurchtränkter Mantel zeigt aber, dass dieser Mann nicht mehr antwortet, nicht mehr antworten kann. Sie jedoch streichelt ihm wieder und wieder über das schüttere weiße Haar, ihre Tränen tropfen auf das Gesicht ihres Mannes.
Endlich dann, nach kurzer Weiterfahrt, sind die Schlepper bei den Schiffen auf der Reede angelangt. Sieben Schiffe sind es, die sich zu einem Geleitzug formiert haben und nur noch auf die Ankommenden warten. Die Übernahmen gestalten sich etwas problematisch, da die Toten nicht an Bord genommen werden.
Platz ist nur für die Lebenden da, das ist verständlich.
Nicht jedoch für die betroffenen Menschen. Mütter halten ihre toten Kinder fest im Arm und müssen gewaltsam getrennt werden.
Die alte Dame im Kamelhaarmantel will nicht auf das Schiff, sie will mit ihrem toten Mann zurück zum Hafen! Und nur mit aller Gewalt ist es möglich, sie von ihrem Mann zu trennen. Voll Hass und Empörung schaut die geschockte Frau ihre Retter an. Dann, einen Augenblick später springt sie über Bord, hinein in das mit glitzernden Eisstücken bedeckte Wasser.
Die Sonne schaut durch den Nebelvorhang, sieht verzweifelt dem ganzen Treiben zu, versteckt sich schließlich wieder, um nichts mehr sehen zu müssen.
»Schön wäre es«, denkt der Junge, »auch nichts mehr sehen zu müssen von diesem ganzen Elend.«
Aber es bleibt den Menschen nichts erspart, auch Not und Angst wollen wahrscheinlich ausgekostet werden bis zum Ende.
Die sieben Schiffe liegen abfahrbereit auf der Reede von Gotenhafen. Darunter auch der Netzleger IV mit Namen »NAJADE«. Dazu dann die »LISA ESSBERGER«, die “ORION" und die »ELLEN« und noch einige andere Schiffe, deren Namen der Junge nicht erkennen kann.
Sie stehen nun am Heck des großen Schiffes, als sich der Geleitzug langsam in Bewegung setzt. Sehen zurück über die fernen Hafenanlagen auf die Stadt, in der ihr ganzes Leben in eine Richtung geraten ist, an die noch vor wenigen Tagen niemand gedacht hätte. Schauen über das dunkle Wasser auf das ferne Ufer, wo mitten im Qualm des gequälten Landes ihre Vergangenheit begraben liegt.
Das nette Mädchen und die anderen Toten in den Ruinen des Marineheims, der freundliche Feldwebel aus St. Pölten, der auch nur nach Hause wollte, die toten Menschen in dem Schloss, deren Namen keiner mehr kennt und die dort ihr Leben gelassen haben, um vergessen zu werden.

Verzweiflung macht sich breit, ergreift mehr und mehr Besitz von dem Jungen. Er lehnt müde und verschmutzt am Heck der »Najade«. Sieht seine Mutter mit schmerzverzerrtem Gesicht an einem Poller des Schiffes stehen, den kleinen Bruder auf dem Arm.
Hier spielt keine Kapelle ihr »Muss i denn, muss i denn ...!«
Selbst die Sonne mag sich nicht aus dem Dunst hervorwagen, auch sie ist von dem Elend der Flüchtlinge angerührt, verzweifelt!
Aber am Horizont, dort vorn, muss ein neuer Anfang sein! Er fühlt es und trotz allem Schmerz, aller Tränen, wendet er sich vom Anblick Gotenhafens ab und schaut auf die weite Ostsee hinaus. Dort irgendwo in der Ferne muss der Neubeginn zu finden sein.

Ich kann das Mittel nie verzeihn,
wodurch sich so viele Nachruhm erwarben:
Sie mussten, um selber unsterblich zu sein,
bewirken, dass Hunderttausende starben.
(-Castelli, Nachruhm-)



Flucht in die eigene Zukunft

Unbeschreiblich die Zustände an Bord der »Najade«. In völlig überfüllten Kabinen bilden Menschen und Gepäckstücke fast unbezwingbare Barrieren. Alle Niedergänge, alle Flure, jeder Winkel und jede Ecke sind voll belegt. Der relativ kleine Netzleger beherbergt ungefähr eintausend Flüchtlinge und verwundete Soldaten. Dazu natürlich noch die Besatzung des Schiffes. Es bedarf schon eines gewaltigen Organisationstalentes, um hier kein Chaos aufkommen zu lassen.
Der Kapitän und seine Mannschaft haben anscheinend schon Erfahrung aus vorherigen Fahrten und so bekommen sie doch alles unter Kontrolle. Manchmal geht es dann aber verständlicherweise ziemlich rau zu, nicht immer nach dem Verständnis aller Flüchtlinge.
Als nach einigen Stunden die Lautsprecherdurchsage kommt, dass alle Flüchtlinge und Soldaten Schwimmwesten anlegen sollen, wird dies doch sehr unwillig getan.
Natürlich trägt solch eine Anordnung dazu bei, dass der benötigte Platz durch diese Kork-Schwimmwesten noch kleiner wird. Es herrscht eine drangvolle Enge im Inneren des Schiffes, dazu der typische Geruch vieler Menschen.
In einem Raum im unteren Deck steht ein großer Bottich. Es ist der Entsorgungsplatz der seekranken Menschen, die sehr unter dieser Krankheit leiden. Ein bestialischer Geruch weist schon von weitem, wozu er dient.
Gottlob geht die Seekrankheit an dem Jungen vorbei. In einer Kabine mit acht Schlafkojen hat er einen Platz für seine kleine Familie erkämpfen können. Mit Ellenbogen und Worten gegen die Übermacht der Anderen, der Mütter und Großmütter mit ihren Kindern, darunter viele Säuglinge und Kleinkinder. Seine Mutter findet mit dem Kleinen nach vielem Gedränge einen Platz in einer Koje. Der kleine Bruder hat starke Ohrenschmerzen, ein Sanitätsmaat bringt Tropfen, die ihm doch Linderung verschaffen.
Der große Junge schläft in der Nacht im Sitzen auf einer Holzbank, die zusammen mit der Back am Boden verschraubt ist. An Liegen allerdings ist dabei nicht zu denken, den Kopf auf die Unterarme gelegt versucht er am Tisch etwas Schlaf zu bekommen. Und es gelingt auch ohne Mühe. So entgeht ihm, dass das Schiff zusammen mit dem übrigen Konvoi Fahrt aufgenommen hat.
Am Morgen dann wieder einmal das durchdringende Alarmsignal aus den Lautsprechern. Wieder wird das Anlegen der Schwimmwesten befohlen.
Lautes Stimmengewirr auf den Gängen unter Deck, dazwischen Schreien und lautstarke Befehle.
Ein gestresster Matrose reißt die Tür auf und schreit:
»Alles raus! An Deck!«
Und so nimmt das rasende Durcheinander seinen umgekehrten Gang vom Abend, diesmal von unten nach oben! Auf dem Oberdeck Hunderte von Menschen, trotz der Dunkelheit gut erkennbar, kauern sie in allen möglichen Ecken und Winkeln des Schiffes.
Der Junge findet für Mutter und Bruder einen Platz neben einem der offenen Rettungsboote. Er spürt eigentlich keine Angst, keine Unruhe. Wie nutzlose Utensilien sind sie von ihm abgefallen. Er beobachtet nur, scharfsinnig und durchaus nicht kindlich, trotz seines Lebensalters.
Die Schwimmweste aus Kork behindert zwar die Bewegungen, dämpft aber gleichzeitig auch die scharfen Kanten der Schiffsaufbauten.
Er schaut über die Reling hinweg auf die im fahlen Licht schimmernde Ostsee. Lang gezogene Wellen tragen weiße Schaumkronen, türmen sich auf und fallen dann wieder in sich zusammen. Ein faszinierendes Schauspiel.
Der Konvoi ist anscheinend weit auseinandergezogen, in der Ferne ist an Steuerbord die Silhouette eines anderen Schiffes zu sehen. Dann, in der Morgendämmerung fast nicht mehr erkennbar, auch achtern ein Schiff.
Steil aufragend, als strecke er anklagend einen Finger zum Himmel, der Bug des Flüchtlingsschiffes, das gestern noch vor der »Najade« lief. Und mit erschrecktem Staunen sieht der Junge, wie dieses Schiff zeitlupenartig und völlig lautlos untergeht. Das Heck verschwindet zuerst in der Tiefe, ein gespenstisches Bild. Nirgendwo die Spur eines Rettungsbootes, flucht12
Urplötzlich ist die Ostsee hinter der »Najade« leer, als wäre da nie etwas gewesen. Sie fährt in diesem bitterkalten Morgennebel noch einen weiten Bogen nach Osten, nimmt dann nach einer kurzen erfolglosen Suche die Fahrt wieder auf.
Für die Flüchtlinge an Bord des Netzlegers scheint die absolute Gefahr erst einmal vorüber zu sein. Alle werden wieder unter Deck geschickt. Inzwischen ist es hell geworden, blasse übernächtigte Gesichter schauen sich an, hohlwangig und mit tiefen Schatten unter den Augen.
Zum ersten Mal sind hier irgendwie alle gleich, gleich hungrig, gleich müde, gleich verzweifelt.
Trotz alledem, der Selbsterhaltungstrieb hat die Oberhand über diese Flüchtlinge übernommen. Jeder versucht zunächst erst einmal, sich selbst am Leben zu erhalten. Auch der Junge ist keine Ausnahme!
Als kurze Zeit später Brot und eine heiße Milchsuppe verteilt werden, bringt er es zuwege, sich für seine kleine Familie ihren Anteil zu verschaffen. Wie gut, dass er die emaillierten Schüsseln aus dem Marineheim noch in die Tasche gesteckt hatte. Die zugeteilte Essensration mit Ellenbogen und Fäusten zu erkämpfen, ist bei dem heillosen Gedränge keine leichte Aufgabe.
Dann zum wiederholten Male die Alarmsirene mit Lautsprecherdurchsagen. »Die gesamte Besatzung und die Flüchtlinge sofort Schwimmwesten anlegen!«
Wieder gerät alles durcheinander. Dabei ist es bewundernswert, mit welcher Disziplin, mit welchem Elan die Matrosen der Besatzung versuchen, auf dem Schiff wieder Ordnung zu schaffen. Ohne Ansehen der Person stellen sie die Kontrolle wieder her.
Später erfährt man beiläufig, dass an diesem Tag  drei Kinder an Bord geboren wurden. Eines davon, ein Mädchen, erhält den Namen »Najade«! Die beiden neugeborenen Jungen heißen nun Erich, nach dem Vornamen des Kapitäns!
Die Leichen der vier Menschen aber, die in der Nacht verstorben waren, werden mit einer kurzen Zeremonie der Ostsee übergeben. Ein Anblick, der dem Jungen wohl unvergesslich bleiben wird. Die inbrünstigen Gebete der an der Bestattung beteiligten Menschen vermischen sich mit den Geräuschen der Menschen, die unter der Seekrankheit leiden.
Das: »Herr erbarme dich dieser Seelen« des Kapitäns geht mit dem Geschrei der alten Frau, die auf der Flucht ein Bein verloren hat, eine Verbindung ein. Dazwischen das Keifen einer Dame, die steif und fest behauptet, eine andere hätte ihre Zigaretten gestohlen.
Ein kleiner Junge irrt über das Deck und sucht weinend seine Mutter, irgendwo in diesem ganzen Tohuwabohu sind sie wohl getrennt worden! Dann ein Aufschrei und beide sind wieder vereint.
Später Nachmittag. In Sichtweite die Türme einer Stadt. Der Junge hört, wie ein Mann der Besatzung sagt, dass dies Warnemünde sei! Die Reise hat ihr vorläufiges Ende gefunden. Urplötzlich sind alle Menschen wieder Brüder, liegen sich in den Armen. Alle Angst ist vergessen, alles Gezänk ist nie gewesen.
Wie schön, dass der Mensch vergessen kann. Auch der Junge hat vergessen, drei Wochen sind bei ihm völlig ausgelöscht. Aber irgendwann, irgendwann in der Zukunft, wird ihn diese Vergangenheit sicher wieder einholen mit brutaler Kraft.
Die Ausschiffung dauert etwa eineinhalb Stunden, Frauen der NSV und HJ-Angehörige bringen es tatsächlich fertig, alles in geordneten Bahnen ablaufen zu lassen. Der Bahnhof ist nahe und so ist in kürzester Zeit der Großteil der Flüchtlinge auf dort stehende Personenzüge aufgeteilt. Wirklich ein reibungsloser Ablauf mitten in einem Chaos, es ist staunenswert!
Wohin wird die Fahrt gehen? Niemand weiß etwas über das Fahrtziel. Auch Mutter ist ratlos, unsicher. Doch wie zufällig trifft sie auf einen Beamten der Reichsbahn, kommt mit ihm ins Gespräch und erfährt dann, wohin der Zug fahren wird:  Bis an die holländische Grenze weit im Westen ist die Fahrt geplant!
Am späten Abend wird noch einmal Verpflegung verteilt, gar keine so leichte Aufgabe für die helfenden Frauen.

Es ist stockdunkel, wegen der Verdunkelung in der ganzen Stadt nirgendwo ein Lichtschein, die Helferinnen auf dem Bahnsteig tragen grün-phosphoreszierende Plaketten am Mantel, irgendwie ein unwirkliches Bild.
Spät am Abend setzt sich der Zug in Bewegung. Der kleinen Familie in dem voll besetzten Abteil erscheinen die harten Holzbänke wie weiche Polster. Bald wird diese Flucht ein Ende haben, diese Flucht in die eigene Zukunft.
Als sie vor vielen Tagen ihre Heimatstadt verließen, führte der Weg nach Osten, dem Morgenrot entgegen.
Nun kommen sie an einem Ziel an, einem Ziel, dahin sie gar nicht wollten, das weit im Westen liegt, kurz vor der Abenddämmerung. Ein Ziel, das sich niemand in einem Reisebüro ausgesucht hat. Aber allerdings war diese Reise »All inclusive!«
Wie lange reist man von Ostpommern nach Ostfriesland? Nur sechzehn Tage durch das Wartezimmer der Hölle und dann zur Hintertür wieder hinaus und zurück ins Leben ...

Alle denken gewiss,
in kurzen Tagen
zur Heimat wiederzukehren;
so pflegt sich stets
der Vertriebene
zu schmeicheln.
-Goethe, Herrman und Dorothea-

 

 

 

top (2)
top (2)
top (2)
top (2)