Aus der Erinnerung

Monumenti causa

 

Das alte Haus

Fernab der Stadt, weit vom
geschäftigen Treiben, fand ich es wieder:
das uralte Fachwerkhaus,
in dem ich vor vielen Jahrzehnten
mit meinen Eltern gelebt.
Die grüne Haustür mit blätternden Farben,
blinde, geborstene Butzenscheiben,
und noch immer blüht
der Rosenstrauch am zerfallenen Zaun.

Die morsche Bank hier
unter der uralten Linde.
Im verwunschenen Garten
von Ringelblumen umrankt
der steinerne Tisch,
an dem einst heitere Menschen
sich in lebhafter Runde vergnügten.
Dort drüben der sandige Weg
hinunter zum murmelnden Bach.

Von Wacholderbüschen umrahmt,
träumt violett blühende Heide
von Stunden des Glücks,
von Freundschaft und Liebe,
von leidenschaftlichen Stunden
und Tränen des Leids.
Ich sitze am alten, zerfallenen Brunnen
und höre die Lerche,
die jubelnd zum Himmel aufsteigt,
denke dabei an die Kinderjahre,
die unbekümmerte Jugendzeit.

Gestern ist gestern
und lang schon vorbei!
Doch immer noch bin ich da,
und immer noch steht dort
das Haus unter uralten Bäumen.
Es schaut mich an mit traurigen
gläsernen Augen.
Ich wende den Blick zu den
hellen Birken am Bach und sehe
voll Entsetzen ein Schild mit
riesiger schneeweißer Fläche in
gewaltigen Lettern: » HIER ENTSTEHT... «
---
Woher kommt plötzlich der Sand in den Augen?
***
 

 

 

 

Tempora mutantur.
(Die Zeiten ändern sich)

Ich träume oft in manchen Stunden
von Völkern, die durch Freundschaft verbunden,
von weissen Tauben die Frieden verbreiten,
vom Guten in uns zu allen Zeiten,
von Gleichheit der Menschen aller Rassen
ohne jegliche Rücksicht auf Herkunft und Klassen,
von Arbeit für alle, die arbeiten können
und nicht nur immer zum Jobcenter rennen,
von glücklichen Familien ohne Streit,
von Hilfen für Alte in schwerer Zeit,
von Manager in Firmen - ohne Raffen,
von friedlichen Lösungen ohne Waffen.

Ich träume von Bäumen in grünen Wäldern,
von hellgelbem Raps auf blühenden Feldern,
von Nebel über dem rauschenden Fluss,
von Wildgansgeschrei als nächtlichem Gruss,
von alten Burgen auf bergigen Höhen,
von Ufern schilfbewachsener Seen,
von Karawanen in endlosen Wüsten,
von Leuchttürmen an felsigen Küsten,
von Blumen und Tieren in freier Natur,
das alles ist für mich Freude pur.

Ich sah diese Erde aus Tiefen und Höhen,
erlebte das Leben mit Fühlen und Sehen.
Vom Fernweh blieb nicht mehr allzu viel,
statt nur zu träumen, bleibt heut noch ein Ziel,
von der Sehnsucht des Herzens angetrieben:
Es heisst: Lieben!
***
 

 

 

 


Erinnerungen

Warum lässt du mich diese Zeit
nicht vergessen,
in der die Hoffnung
bei meinen Träumen noch Pate stand.
Mir fehlen die Gespräche,
das zärtliche Tasten der Hände.
Wolken verdecken die Sterne
damals wie heute,
ich fühle, wie unendlich nah
du mir bist, Ewigkeiten entfernt!
***
 

 

 

 

 

Gedankensplitter

Die rote Sonnenglut
küsst dunkelvioletten Horizont,
sacht kehrt die Dunkelheit
nun wieder heim
ins Zwielicht des Bewusstseins.

In fahlem Grau
versickern Show-Effekte
aus vergangenen Schattenträumen
und dringen dann
in leergeweinte Herzen.

Aus Tagen,
die unendlich fern erscheinen,
klingen a-moll-getönte
Träume schwerelos
in durchwachte Nächte.

Sanft versucht
noch ein geheimnisvolles Wispern
aus Gedankensplittern,
in aufgewühlten Sinnen
reales Dasein zu erzwingen.

Vergeblich das Wagnis,
Reste der Erinnerung
in Katakomben der Geschichte
zu begraben,
Schmerz lebt weiter im Heute.
***
 

 

 

 

 

Zurück im Leben.

Lang vor dem Ende der Nacht versank
der Mond in der grundlosen Tiefe,
tauchte weiß wieder auf
am anderen Ufer
des Lebens.

Später am coelinfarbenen Morgen
erwachte die glutrote Sonne,
stieg dann empor in die
strahlende Höhe
des Lebens.

Spürst du, kleines Menschenkind,
die helfende Hand eines
gewaltigen Freundes?
Er gab dich zurück
ins Leben.
***
 

 

 

 

 

Respectus
So viele tiefe Täler hab ich oft durchschritten,
hohe Berge oft ganz mühevoll bezwungen,
doch oftmals auch dann in des Tages Mitten
so manches frohe Wanderlied gesungen.

Der heisse Sommerwind im hellen Wüstensand,
er bleichte mir in manchen Zeiten meine Haare,
der eisig kalte Wintersturm im fremden Land,
er gerbte mir die Haut in vielen Jahren.

Nun laufe ich nach all den Wanderjahren
in einen Hafen ein, den konnte ich erwählen;
ich möchte nie mehr in die Fremde fahren
und Abenteuer, von denen werde ich nur erzählen!

»Adieu«, sage ich allen Menschen, die mich kennen,
die ich in  achtzig Jahren traf in meinem Leben.
Alle Namen könnt ich nicht mehr nennen,
doch haben viele mir ein Stück von sich gegeben.

Wenn ich einst letztmals Abschied nehmen werde,
so werden gewiss mir manche Freunde fehlen!
Doch es war schön auf dieser wunderbaren Erde,
ich werde davon auch auf Wolke neun erzählen!

Ich bin nicht bange vor dieser letzten Reise,
ich brauche dafür auch nicht viel Gepäck.
Ein wenig Manna, so als letzte Speise,
ein paar Gebete - alles andere lass ich weg!
***
 

 

 

 

 

Das Problem

In meiner Kindheit schien alles gut.
Probleme konnte ich nicht erkennen,
denn dazu gehörte natürlich auch Mut
und Probleme durfte keiner so nennen.

Freunde rannten in jenen Jahren
einer Hakenkreuzfahne hinterher,
ich habe dann davon auch erfahren,
bald hatten sie einen Verführten mehr.

Krieg spielen, marschieren und hauen,
das machte uns mächtig viel Spass;
wir schenkten den Alten unser Vertrauen,
lernten ganz nebenbei auch den Hass.

Ja, wir spielten Krieg und eh man es spürte,
kam der dann zu uns auf leisen Sohlen.
Und dieser GröFaz, der alle führte,
begann seinen Krieg zuerst in Polen.

Wir Kinder lernten beim Spielen Soldat,
marschieren und schießen war Pflicht.
Nicht mitmachen galt da schon als Verrat,
die meisten - auch ich - trauten sich's nicht.

Der Vater marschierte bis zum Ende weiter,
er hatte keine Wahl, ihn hat keiner gefragt,
er starb mit vielen Orden als Gefreiter -
für Führer und Volk hat man Mutter gesagt!

In meiner Kindheit war das große Problem,
dass man es nicht früh genug erkannte.
Es lag wahrscheinlich an dem System,
das alle Kritik am Staat stets verbannte.

Heut weiss ich nach so vielen Lebensjahren,
die Probleme an sich, die ändern sich nicht.
Es gibt sie immer, ich hab es erfahren,
es ändert sich dabei durchaus meine Sicht.

Damals spielten wir Krieg, wir waren klein,
wir erkannten noch nicht, was wir taten.
Heut ruft niemand: Lasst das bitte sein!
Denn unser Land braucht doch Soldaten ...
***

 

 

 

 

 

Universalität

Ich frag mich, was hinter den Sternen ist.
In welchen Dimensionen müssen wir denken?
Wenn du auf der Erde zu Hause bist,
kannst du dein Schicksal nicht selber lenken.

Was sind Kilometer, was sind da Meilen,
gern würden wir das Universum ergründen,
man müsste in Lichtjahren das All durcheilen
und würden niemals der Welt Ende finden.

Man lehrt uns so manche weise Theorie,
vom Urknall und so, ich will´s ja verstehn,
das Universum dehnt sich aus, so sagen sie,
diesen Beweis, den würd ich gern sehn.

Was war denn vorher, wer kann mir das sagen?
Hat niemand gesehen, kann keiner beweisen.
Ein unendliches Chaos? Darf man das fragen?
Ich würde gern in die Vergangenheit reisen.

Wir sind nur ein Staubkorn im weiten All.
Warum nehmen wir uns nur so wichtig?
Vielleicht denkt mancher, in seinem Fall
wär das Zentrum der Welt ganz richtig!

Damit ihm nun niemand etwas anderes erzählt:
Zeit ist ein unumkehrbares Kontinuum!
Wer seine Person zum Mittelpunkt wählt -
der kann nicht gelehrt sein, der ist einfach dumm.
***
 

 

 

 


Lebensfrage

Ich frag mich manchmal, wer ich bin.
Wo auf der Welt nur komm ich her,
Wo will ich überhaupt noch hin?
Dies zu ergründen ist doch schwer.

Ich nahm mein Leben in die Hände.
Es war sicher nicht leicht zu tragen.
Doch schaffte ich auch diese Wende,
Müsst ich es noch einmal so wagen.

Es gab so einiges, das ich im Leben
Sicher nicht mit Stolz erwähnen würde.
Doch stets wird es auch Fehler geben,
Kein Parcour des Lebens ohne Hürde!

Schau ich zum Himmelsblau empor
In manchen hellen, frohen Stunden,
Stell ich mir in Gedanken vor
Wie wir beide uns gefunden.

Dann ist mein Herz voll Dankbarkeit
Dass solche Wunder noch geschehen!
Ich werde dann zu späterer Zeit
Den letzten Weg sehr glücklich gehen.

 

 

 

Nicht für die Schule ...

Damals, als ich ein Kind war,
vor Tausenden von Tagen,
bewegten mich schon
eine Reihe von Fragen.

Doch wie ich mich bemühte
Resonanz zu erhalten -
die jungen Leute schwiegen,
es lächelten die Alten.

Woher kommen die Blumen,
die vielen farbigen Falter?
Woher die bunten Gedanken,
von der Kindheit bis zum Alter?

Woher die weißen Wolken,
in des hohen Himmels Ferne?
Woher in dunklen Nächten
all die goldenen Sterne?

Später lernte ich dann lesen,
und das war mein Glück,
nun kamen auf die Fragen
endlich Antworten zurück!

Ich lernte richtig denken,
ich las, ich kombinierte,
es gab dabei fast nichts
was mich nicht interessierte.

Heut gehöre ich zu denen
die im Grunde alles wissen.
So denke ich oftmals -
mit ziemlich gutem Gewissen!

Doch wenn ich heute etwas schwarz
und weiß vor mir seh -
dann kann ich ruhig sagen:
Das ist von gestern der Schnee!

Nichts vergeht so schnell,
wie unsere heutige Zeit.
Was wir heute noch lehren,
ist fast Vergangenheit!

So bleibt uns das Fazit,
egal wie man es dreht:
Lernen ist immer wichtig -
und niemals zu spät!


 

 

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