Der Erdkreis

Orbis Terrarum


Es ist kalt geworden

Kalt ist es geworden.
Das Leben schleicht davon
Weit über den Horizont hinaus
Müde erlischt das Lächeln
Zwischen Gegenwart und Zukunft
Wenn die Stimmen verstummen
Spüre ich es eisig werden.
Es ist kalt geworden draußen
Seitdem lebe ich von der Wärme
Der Erinnerungen

 

 

 

 

Nachlese

Am Strassenrand die matte Laterne
schickt trübes Licht
mit konzentrischen Kreisen
auf den Himmel ohne Sterne.
Ein uralter müder Ahornbaum
füllt die Dunkelheit
mit flüsterndem Schatten
zu einem realen Traum.
Tote braune Blätter schweben
wie Gedanken
auf modriges Gras
ohne Hoffnung auf Leben.
Die Spuren verschwunden,
die wir gegangen;
die Sehnsucht gestorben in
verschwiegenen Stunden.
***
 

 

 

 


Alte Augen

Uralte Augen schauen dich an.
Sahen das Leben in allen Facetten
Liebe und Leid, Schmerzen und Lust
verschmolzen zu Konfetti
grellbunten Lebens.
Berg und Tal ergaben ein Ganzes.
Und stets beieinander
wohnten Tränen und Lachen
vergangener Jahre des Lebens!
Erinnern weckt neue Gefühle.
Tief im Innern erwachen Gedanken,
fragen nicht mehr nach dem
Ursprung des künftigen Seins.
Sie ahnen nicht mehr, sie wissen,
Glück kann zersplittern wie Glas.
***
 

 

 

 


Es wird so sein

Und dann kommt einmal der Tag
An dem dich der Himmel einholt,
Von dem du immer träumtest.
Alle Bäume verharren dann
In stummer Trauer
Und nichts wird mehr so sein,
Wie du es kanntest.

Aber die Gänse werden weiterfliegen.
Die Sterne ziehen ihre Bahnen,
und die Flüsse verlieren sich
in der Unendlichkeit des Meeres.
Mit deinem Lieblingslied
betest du an
die Macht der Liebe.
So wird es sein!
***
 

 

 

 


Es kommt eine Zeit

Die zeit kommt ganz gewiss.
Die zeit in der man fällt,
Und auch die zeit
Die uns noch hoffen lässt.
Die zeit zum lauschen
Zum verstehen falscher töne
Und zu offenbaren allen schmerz.

Wenn die zeit zum handeln kommt
In der man klug vor künftgem
Sich bewahren will.
Die zeit zum sprechen,
Auch zu schweigen, doch
Stets wachsam sein, der falschheit
Zu begegnen, die da wächst.

Dann heisst es weise sein,
Und mit bedacht des lebens
Dinge zu verrichten.
Behutsam in den wirren dieser zeit
Den menschen nicht vergessen,
Auch wenn das böse noch so mächtig
Um uns und in uns wirken will.
***
 

 

 

 

Spiel des Lebens

Wie ein Roulette scheint das Leben.
Rouge ou Noir.
Ist es Traum oder doch wahr?
Der Einsatz wurde gegeben.
Dieses Spiel hat jeder gewollt!
Passe ou Manque?
Nun verfolgt man gespannt,
wohin die kleine Kugel rollt.
Glück kann niemand erwerben!
Pair ou Impair.
Ob Dame oder Herr, wer
zieht ein Freilos beim Sterben?
Am Spieltisch gewonnen!
Dann irgendwann, spät oder früh,
ruft der Croupier: rien ne va plus!
Alles ist zerronnen.
***
 

 

 

 


Gestern und Morgen

Der Tag kommt, irgendwann.
Die roten Rosen lassen stumm
die Köpfe hängen.
Der weisse Schleier
der Vergessenheit
trennt messerscharf
das Gestern nun vom Heute.

Das Gestern war -
Und es war schön -
Aber es war und ist nicht mehr.
So manches Mal löst sich
ein Traum ganz einfach auf.
So manches Mal geht auch
ein Mensch verloren und
ist plötzlich nicht mehr da.

Die roten Rosen werden grau,
Erinnerung verblasst
nach vielen Monden,
aber sie bleibt, ein Leben lang.
Und irgendwann verschwindet
Gestern, Heute, im Morgentau
der Zukunft.
***
 

 

 

 


Einsichten

Es wird auch noch andere Tage geben,
an denen Sonnenschein die Erde küsst.
Es werden auch noch andere Menschen leben,
wenn du schon lange nicht mehr bist.

Dein Gestern war - und ist vorbei.
Zwar hatte es dir viel gegeben,
wie schön es auch gewesen sei,
ab heute ist es dein neues Leben!

Mit ihren Kindern hat die Zeit
nun mal nicht unbedingt Erbarmen,
sie fragt nicht nach Vergangenheit,
hält heut die Zukunft in den Armen.

Es wird auch noch andere Tage geben,
an denen Regen auf die schöne Erde fällt.
Denk dran: Wer stürzt, kann sich erheben!
Auch schlechtes Wetter braucht die Welt.
***

 

 

 

Funktion

Sie funktioniert.
Wie alle es von ihr erwarten, sie gibt alles.
Niemand fragt, ob sie es auch noch kann.
Möglicherweise ist sie ausgebrannt, leer?
Doch funktioniert sie.
Sie ist immer da, weil man sie braucht.

Sie wird noch morgen da sein,
und auch übermorgen.
Irgendeines Tages fragt dann einer
nach ihr, die immer unauffällig war.
»Die? Lange schon nicht mehr gesehn.
Wer war das eigentlich?«

Der dichte Nebel
Der Vergessenheit deckte alles zu.
Ihre Wünsche, ihre Träume sind Geschichte.
Für kurze Zeit bleibt eine Lücke!
Still über Nacht zog die Funktion
dann einfach weiter
zu einem, der noch funktioniert!

Ein jeder weiss es: frische Kräfte,
sind stets bedacht, den Kreislauf
nie zu unterbrechen,
bis zum ersten Fehler.
Nun ja, er ist noch neu ...
Nach dem dritten Fehler
dann das ernste Wort.

Der Stress nimmt zu,
die Furcht vor dem Versagen,
steigert sich ins Unermessliche.
Diese Angst macht krank.
Und immer funktioniert es
schliesslich wieder neu.
Irgendeiner macht schon weiter.

Weil irgendjemand es so will.
Der Nächste zerstört sich weiterhin.
Wo ist der Ausweg?
Sie sind bekannt, die Wirkungen
der Hamsterrad-Oligarchie,
doch schafft es niemand,
das schnelle Rad jemals zu bremsen.
***
 

 

 

 

Sonntagmorgen in der Großstadt

In der Stadt am Sonntagmorgen,
Ein Balkon umrahmt von Grün.
Mitten zwischen grauen Sorgen,
Geranien dort hoch droben blühn.

Einige schwarze Amseln singen
Irgendwo von ferne her;
Die ersten Glockenklänge schwingen
Hellweit übers Häusermeer.

Unten im Haus erwacht das Leben;
Ein Säugling schreit, ein Dackel bellt.
In der Sonntagszeitung steht soeben,
Was da geschehen in der Welt.

Durch Flure schleichen Kaffeedüfte,
nur noch die frischen Brötchen fehlen.
Diverse Töne klingen durch die Lüfte,
Für Klassik-, Rock- und Country-Seelen.

In der Stadt am Sonntagmorgen,
Bevor die Sonne strahlend lacht, -
Mancher Traum, jetzt noch verborgen,
Wartet auf die nächste Nacht.
***
 

 

 

 


Zwei Tyrannen
(frei nach Joh. Gottfr. Herder)

Die ZEIT, diese Tyrannin,
nimmt jeden Tag ein Stück
von dir und deinem Leben;
von dem, das vorher sie gegeben,
glaubst du, sie gibt’s dir je zurück?

Du irrst, mein Freund
du musst es akzeptieren,
neue Wege nun beschreiten,
und in allen Schwierigkeiten
dich stets aufs Neue motivieren!

Der kleine Bruder dieser Zeit
wird »Zufall« nur genannt;
ist unbeständig wie der Wind,
dabei launisch wie ein Kind
reicht er lächelnd dir die Hand.

Du lebst mit vielen Zweifeln,
oft noch in der Vergangenheit!
Lass doch die Hoffnung blühen,
die Trauer weiterziehen -
hierbei hilft dir die ZEIT.

Nichts auf der Welt ist ewig,
alles kommt, alles verweht.
Loslassen und Empfangen,
zur Einsicht dann gelangen,
dass dein Leben weitergeht.
***
 

 

 

 


Betrachtung

Sternschnuppen sind manche Tage,
leuchten strahlend hell,
doch unglaublich schnell
geh´n sie vorüber, und deine Frage
nach dem Sinn des Lebens
scheint vergebens.

Wolken in manchen Stunden;
Gedanken wie im Traum
verblassen bald, und kaum
sind sie verschwunden,
wirst du wieder erwachen
und kannst wieder lachen.

Sterne sind manche Herzen
berühren unsere Seelen,
doch wenn Träume fehlen
verlöschen auch Kerzen.
Zurück bleibt auf Dauer
dann nur noch Trauer.

Schatten in manchen Gedanken
verfinstern dein Licht
und du weisst es nicht,
wohin deine Träume versanken.
Reich dem Leben die Hände
zum guten Ende!
***
 

 

 

 


Schritte

Schritte aufeinander zu
führen immer voneinander weg.
Die Alternative wäre stehen zu bleiben,
doch niemand kann beides zugleich:
einen Fuss in der Tür,
den anderen schon unterwegs.
Es wird ihn zerreissen!
***
 

 

 

 


Dieser Augenblick

Bizarre Geschichten, erdacht
Auf tiefblauem Kissen.
In wachen Träumen
Im Dunkel der Nacht.

Stilles Hören. Wir schweigen.
Worte fliessen zu Tal.
Irisierende Klänge 
In harmonischem Reigen.

Dem flüsternden Winde gleich
Schwingt das Weinen der Seele.
Hinauf zu den Wolken
Geduldig, doch tränenreich.
***

 

 

 


Fortuna

Fortuna hat mich in der Nacht
im Traum mit einem Hauptgewinn bedacht,
ich hab geträumt, mein Dasein wäre
nicht mehr trist und leer,
und auch das Glück sei
über Nacht gekommen,
es hätte selbst mein Leben
in die Hand genommen.
Ein schöner Traum, so dachte ich,
als ich erwachte.
Dann sah ich dich,
und mir war klar:
Der Traum ist wahr!
***

 

 

 


Ein Tag im Mai

Und es begab sich
an einem Tag im Mai,
dass zwei Menschen sich fanden.
Sie öffneten sich füreinander
und vertrauten sich an,
was sie bewegte.
Sie wussten, was sie sagten,
was sie taten, war beim anderen
gut aufgehoben für ewige Zeiten.

Der kleine Funke in ihnen
wuchs zur strahlenden Flamme,
ihre Herzen öffneten sich weit,
viel weiter, als sie es jemals geahnt
für das Feuer der Liebe.

Doch dieser verzehrenden Glut
hielten sie beide nicht stand.
Und es begab sich
an einem Tag im Mai,
da standen sie sich gegenüber,
die Herzen immer noch offen.

Sie aber spürten,
dass eisige Winde das Feuer
in ihren Herzen nicht schürte,
sondern erstickte.
Und hilflos sahen sie zu, wie
das Feuer der Liebe erfror ...
***
 

 

 

 


Träume und Gedanken

Gedanken, sagt man, sind
Früchte eines Baumes,
wenn sie reif, herniederfallen
in das Meer der Träume,
um zu gären
und danach als süsser Most
im Leben uns berauscht.

Träume, sagt man, sind
Wogen eines Meeres,
den Saum des Strandes küssend,
sich darin verlieren,
auferstehen,
um den Kelch der Liebe
bis zum Rand zu füllen.

Liebe, sagt man, sind
Träume und Gedanken,
die anfangs keinem gelten,
schliesslich dann
gehören sie
jenem einen Menschen,
der sie für sich entdeckt.
***

 

 

 

 


Nachtgedanken I

Meine Hand sucht deine Hand.
in zerwühlten Kissen.
Weit hinter der Grenze die wir
einst gesetzt, treffen sich nun
unsre Herzen und Sinne.
Sie ahnen nicht mehr, sie wissen,
dass alle Wunder der Erde
nichts sind im Vergleich
zum Wunder der Liebe,
die wir uns gegeben
in gemeinsamen Stunden.
Niemand kann uns nun
von dem etwas nehmen,
das wir ganz allein nur besitzen:
ein Stückchen
vom Leben des Anderen!
***

 

 

 


Nachtgedanken II

Nachts am Fenster starr ich gebannt
zu den silbernen Sternen,
möchte entflieh‘n in unendliche Weiten
der dunklen, einsamen Stille,
spüren die Hand des ewigen Gottes.

Einsamer als hier
kann es dort oben nicht sein.
Wer wagt es, einem Menschen
die Flucht zu verbieten, dem Weg
den Tiefen der Sehnsucht zu folgen,
jenseits des Verstandes zu schweben
und allen Gründen der reinen Vernunft
nicht mehr zu gehorchen?

Sind erst die Gedanken verflogen,
erwachen alle tiefschlafenden
Kräfte des Herzens,
und nur sie allein kennen den Weg,
den die Hoffnung zeigt.
***

 

 

 

Unsere Zeit.

Alles und nichts scheint für uns die Zeit,
Zuflucht und  Raum
Zwischen Augenblick und Ewigkeit.

Alles und nichts ist der Augenblick,
Grenze und Saum
Zum Zentrum von Leid und großem Glück.

Alles und nichts ist die Ewigkeit,
Verlorener Traum,
Nachdenklicher Blick zur Vergangenheit.

Augenblick und Ewigkeit,
Raum und Traum,
Sind Fenster unserer Wirklichkeit.

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Es wird so sein
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Nachtgedanken II
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Träume und Gedanklen
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