Der Fremde

Peregrinus

 

Schau hin!
 
Dieses bunte Leben,
wie alle streben
gierig nach Macht
und dabei ganz sacht
geht sie zugrunde,
geht vor die Hunde,
diese Welt voller Streit
voller Hass und Leid.

Wie brutal sie streiten,
wie sie verbreiten
Terror und Schrecken,
während Kinder verrecken
durch Hunger und Seuchen
mit aufgeblähten Bäuchen.
Massengräber unter Pinien,
oft ganze Familien!

Zartgliedrige Gestalten,
die jungen - und auch die alten-
die ihren Körper bedecken,
Nitrotoluol verstecken,
um Liebe zu vernichten,
Nichtgläubige zu richten,
Alles in Gottes Namen!
Wo gibt es Erbarmen?

***
 

 

 

 


Ein Fremder

Als Fremder kam er in die Stadt
mit nichts als nur der Hoffnung
auf Freundschaft und Verständnis.
Stets höflich und bescheiden
war er bereit, sich einzugliedern
in ein System, das er bisher nie gekannt.

Man sah die Farbe seiner Haut,
und ohne näher ihn zu kennen,
bekam er einen Stempel aufgedrückt,
der ihn zum Aussenseiter machte
in einem Land, das selbstgerecht war,
respektlos allem Fremden gegenüber.

Er lebte hier, fern seiner Heimat,
ungeliebt und unwillkommen
und wollte doch nichts weiter
als in Frieden leben ohne Angst.
Er ist kein Fachmann für I.T. -
und auch kein Doktor med.

Nur ein Mensch, dem man verwehrt,
zu leben, wie bei uns hier alle leben,
mit Arbeit seine Tage zu füllen
und vielleicht ein wenig Freude spüren.
Doch eines Tages kommt die Nachricht,
die er so lang schon fürchtete!

Als er die Stadt verlassen muss
mit einem Freiflugticket in der Tasche -
nimmt er nach vielen Monden
Abschied von einem Land,
das ihn nicht wollte,
weil er ein Fremder war.

***
 

 

 

 


Vernehmt ihr es?

Hört ihr sie weinen?
Barfuss kommen sie,
zerlumpt und ohne Krone.
Häuser zerstört
Ernte verbrannt,
Hunger zehrt
an ihren Wangen.

Hört ihr sie rufen?
Täter der Dunkelheit
jagten sie aus ihren Hütten,
gewaltsam nahmen sie
Frauen und Töchter,
die man niemals
wieder sah.

Spürt ihr das Elend?
Kinder unserer Erde
schreien nach Erbarmen,
suchen starke Hände,
die wärmend sie
in ihren Armen wiegen
und helfen.

Seht ihr sie kommen?
Schliesst eilends
Fenster und auch Türen.
Es könnte sein,
sie klopfen an
und bitten euch um Brot.
***
 

 

 

 


Nacht im Garten Eden

Dunkelheit zieht ein in Eden.
Löwen jagen nun wieder
im vollen Bewusstsein der Macht.
Tauben verstecken sich tief
vor dem Falken im Wald.
Pflugscharen, Symbole des Friedens
werden wieder zu Schwertern!

Warst du nicht mein Bruder,
als im Hunger du lebtest,
meine Schwester, als Elend
mein eigenes Leben berührte?
All das ist vergangen,
da nun mit grausamer Tat
du deinen grossen Gott lobst.

Nacht wirds im Garten Eden,
am Tore schon warten Löwen,
um geopfertes Leben sinnlos
ohne Verstand zu zerreissen.

Viele Geschöpfe wagen darum
durch stürmische Wolken die Flucht,
dahinter klingt grausam ein
Allahu akbar.
***
 

 

 

 

 

Fremdes Leben

Leises Weinen goldner Sterne.
Graue Menschen zogen ohne Ziel,
heimatlos in unbekannte Ferne,
weil der Himmel auf die Erde fiel.

In der Heimat schwarze Fahnen
bringen Leid nur, bringen Tod,
keiner kann das Leid erahnen,
graue Menschen suchen Brot.

An des Meeres Uferrand
warten ungezählte Scharen,
verliessen still ihr Heimatland,
wo sie einst glücklich waren.

In der Fremde angekommen,
hoffnungslos, vor Trauer blind,
glaubten sie sich aufgenommen.
Mutter, Vater und das Kind.

Seht, so kann man heut sich irren:
»Willkommen«, das ist schnell verhallt.
In dieser Zeit mit ihren Wirren
verschwinden solche Worte bald.

Freunde schaut euch um im Lande,
heute, morgen und an jedem Tag,
Menschen leben oft am Rande
der Gesellschaft, weil sie keiner mag.

Mit grossen Reden, hohlem Worte,
hilft man keinem in diesem Land!
Hier und an jedem anderen Orte:
Reich dem Anderen Deine Hand!
***
 

 

 

 


Fremd bin ich hier ...

Fremd ist der Himmel,
dessen Sterne ich sehe,
diese lärmenden Strassen,
über die ich gehe.

Fremd ist die Sprache,
deren Klang ich höre,
dazu eure Kultur,
zu der ich nicht gehöre,

Fremd sind die Menschen,
die mich nicht verstehen,
und auch eure Worte,
die im Wind verwehen.

Fremd ist der Hass,
den ich hier verspüre,
auch die Eiseskälte,
bei der ich erfriere.

Ich bin ein Fremder,
vor dem Kriege geflohen,
der Furcht hat vor denen,
die sein Leben bedrohen.

Ich bitt euch um eines:
Schenkt mir euer Vertrauen!
Dann komme, was mag,
dann könnt ihr auf mich bauen!
***
 

 

 

 

 

Darfour

Grell leuchtende Sonne,
fahlgelbe Dürre so weit
die Blicke noch reichen.
Alle Pflanzen lange verwelkt.
Auf den Feldern die Hirse
wartet vergeblich auf
Leben spendendes Nass
auf steinigem Boden.
Kinder am Wegrand,
das Lachen verstummt.

Hohle Augen starren
hoffnungslos in die Ferne.
Vor wenigen Monden
vertrieb sie das Morden
von ihrem Zuhause
am Rande der Steppe.
Die weissen Zelte  
in schnurgeraden Strassen
sind jetzt ihre Heimat unter
grell leuchtender Sonne ...

***

 

 

 

top (2)

Darfour
Ein Fremder
Fremd bin ich hier
Fremdes Leben
Nacht im Garten Eden
Schau hin
Vernehmt ihr es?

top
vorherig
nächste
top (2)