Der Trńumer

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1hom

Abendspaziergang
An mich
Begegnung
Diese Drei
Ein Stern
Ikarus
Klare Verh├Ąltnisse
Manchmal
Schlaflosigkeit
Schon immer
Spiegel
Vergiss es nicht
Wei├čt du
 

 

Schon immer.

Ich glaub, dich hab ich
immer schon gekannt,
auch als ich dich
noch gar nicht kannte.

Ich glaub, ich hab dich
immer schon erwartet,
auch als ich dich noch nicht
erwarten konnte.

Du bist mir so vertraut,
als h├Ątten wir vor vielen Jahren
uns getroffen, auch als wir uns
noch gar nicht treffen konnten.

Und lese ich die Zeilen,
die mich am fr├╝hen Morgen
noch vor dem Fr├╝hst├╝ck ├╝berraschen,

dann kommt es mir so vor,
als h├Ątte ich dich immer schon gekannt,
hoffe, es k├Ânnte bei dir ├Ąhnlich sein.
***
 

 

 

 


Klare Verh├Ąltnisse

Wir wollten Klarheit.
Wir wollten klare Verh├Ąltnisse.
Wie klar wollen wir uns denn sehen?
Wir schauen uns an
durch die Fenster der Herzen
und sehen nicht klar,
denn die Fenster sind blind.

Du sprichst von Eifersucht,
die unser Leben belastet,
doch sp├╝rst du nie die Stiche
der feinen Nadeln, mit denen du
Schmerzen bereitest
fragst dann noch harmlos,
warum ich schreie.

Wir wollten klar den Anderen sehen,
die Fenster Seelen hielten zwar
der Reinigung stand,
doch sollten wir nicht
zu viel Putzmittel verwenden;

sie entlocken den Augen
meist nur salziges Nass
und zerst├Âren am Ende
die Schutzschicht der Herzen
irreparabel.
***
 

 

 

 

Weisst du?

Weisst du, wie es ist,
wenn Tr├Ąume sterben?
Wenn W├╝nsche begraben werden?
Hast du schon erfahren,
was Leere heisst,
wie dir das Herz zerreisst?

Kennst du das Gef├╝hl,
verloren zu sein, allein?
Hast du schon eine lange Nacht
nur nachgedacht,
wenn du nur K├Ąlte sp├╝rst,
Wenn du verlierst?

Weisst du, wie es ist,
sich geborgen zu wissen,
niemals Z├Ąrtlichkeit zu vermissen?
Hast du schon erfahren,
wenn jemand dir Liebe schenkt,
nicht nur an sich selber denkt?

Kennst du das Gef├╝hl,
fr├Âhlich zu sein, nicht allein?
Hast du schon eine lange Nacht
gl├╝cklich zugebracht?
Kennst du das alles,
bleibst dennoch stumm
und fragst nicht ein einziges Mal:
Warum?
***
 

 

 

 


Vergiss es nicht!

Wenn Dunkelheit dein Herz erf├╝llt,
die Nacht dein ganzes Herz besitzt,
Wenn der Morgen noch so fern
und die Sehnsucht in dein Kissen weint,
vergiss die Tr├Ąume nicht

Wenn deine Tr├Ąume schon
das Morgen in sich tragen,
wenn du beim ersten Lichtstrahl sp├╝rst,
dass nun der Tag erwacht,
vergiss die Hoffnung nicht.

Wenn fr├╝h am Morgen
ein Mensch dich freundlich gr├╝sst,
wenn dich ein Kinderlachen
in den Tag einstimmt,
vergiss die Menschen nicht.

Du bist die Nacht.
Du bist der Morgen.
Du bist der Traum, die Hoffnung,
das Leben und das Licht.
Vergiss es nicht ...
***
 

 

 

 

Schlaflosigkeit

Kreisende Gedanken in bleierner Schwere,
Bilder, Ideen, Fantasien,
wirbeln durch ├╝beraktives Bewusstsein.
Ein zum Wachen verdammtes Gehirn
verweigert dem Geist den Gehorsam,
jeder Gedanke verwirklicht sich,
sucht nicht nach dem Sinn seiner Fragen,
sondern antwortet selbst
auf banale Probleme mit brillanter L├Âsung.

W├Ąhrenddessen dreht sich die Erde
unabl├Ąssig um ihre Sonne,
stets nur bem├╝ht
den eignen Gesetzen zu folgen.
Geist wird zum Vakuum,
Staub zur Materie,
Du wird zum Ich
und Ende zum Anfang,
***
 

 

 

 

Diese Drei

Nun aber bleiben
Glaube, Hoffnung, Liebe,
diese Drei ...

Zu gro├č war mein Glaube,
einmal das Ende der Zeit mit dir
gemeinsam zu durchwandern,
alles hinter mir zu lassen
und nur noch f├╝r dich zu leben.
Zu gross war die Hoffnung,
du k├Ânntest ebenso empfinden
wie ich und Zeit und Raum
vergessen und in
meinen Armen die Ruhe zu finden.

Glaube und Hoffnung
wie herabgefallene Bl├Ątter
modern sie nun tief
auf dem Grund des Herzens.
Was allein nur blieb,
das ist meine Liebe,
grenzenlos lebt sie fort
mit jedem Gedanken an dich
├╝berwuchert mein eigenes
Denken und F├╝hlen
und ist trotz allem
ohne Glaube und Hoffnung
ein Nichts im Widerstreit der Gef├╝hle!

...aber die Liebe ist
die Gr├Â├čte unter ihnen
***
 

 

 

 

Spiegel

Ich schau in den Spiegel
meiner Seele,
versuche dabei
mein ICH, meine Fehler zu sehn
doch der Spiegel bel├╝gt mich,
ein verzerrtes Gesicht blickt mich an
und ich muss erkennen,
dass ich mich selbst nicht kenne.

Ein Schlag mit der Faust
in das blinde Gesicht.
Splitterndes Glas
vermischt sich mit tropfendem Rot.
Voll Entsetzen sehe ich
keine Wunde an meiner Hand, -
daf├╝r blutet das Herz!
***

 

 

 


An mich

Wirf dein Herz weit weg
und sprich nicht mehr von Liebe.
Alles, was du sagst,
ist doch nur in den Wind gesprochen.
Wer will es schon h├Âren?
Z├Ąrtliche Worte ohne Echo
ersticken in liebloser Luft.
Trag dein Herz hinab zum Fluss,
wo Weiden sich leise wiegen
und die Hoffnung einst bl├╝hte,
wo schimmernde Wellen
dich erinnern an Stunden des Traums.

Bewein nicht dein Herz.
Jede Tr├Ąne der Trauer
erstarrt doch zu leblosem Stein.
Nimm deine Gef├╝hle fest in die Hand,
schleudere sie weit
hinein in die gl├Ąnzende Tiefe des Wassers.
Niemand kennt diese Stelle,
an der deine Liebe ihr Grab hat.
Nur du ganz allein!
***
 

 

 

 


Begegnung

Zwei sich begegnende Schiffe
im wabernden grauweissen Nebel.
Trostreich leuchtet gr├╝n und rot
der Schein der Laternen,
ein Versprechen auf
W├Ąrme und Leben und Freude.
Konglomerat der Illusion,
streng reglementiert
sind die Zeichen
von Abstand und N├Ąhe des Anderen.
Doch wie stelle meine Position
ich nun fest
da ich doch die eigenen Lichter
nicht sehe?
***
 

 

 



Manchmal

Unabl├Ąssig wandern
Gedanken zu dir,
unruhig alle Sinne,
die dich ahnen.
Manchmal m├Âchte ich ├╝ber
den Schatten springen.
Manchmal.

Gefangen in
Konventionen des Alltags,
gebunden in schnurgeraden Tagen.
Manchmal m├Âchte ich
den Kalender zerreissen.
Manchmal.

Erfahren in
vielen Sparten des Lebens,
erm├╝det im t├Ąglichen
Kreislauf der Pflichten.
Manchmal m├Âchte ich mit dir
allem entflieh’n.
Manchmal.

Zufrieden glaubte ich,
bisher zu sein.
Zur├╝ck bleibt ein schaler Geschmack.
Einmal werde ich
alles hinausschreien.
Einmal.
***

 

 

 

 

Abendspaziergang

-ein Traumbild-

Der schmale Pfad
f├╝hrt unter Trauerweiden
hinab zum kleinen Fluss.
Heller Abendnebel k├╝sst
zart graugr├╝nes Gras.
Schwarzgraue Schatten wachsen
aus feuchter Abendk├╝hle
voller Erinnerung an
einen sonnigen Tag.

Ein moosbewachsener Kahn
dort unter der Br├╝cke
tr├Ąumt von vergangener Zeit.
Fl├╝sterndes Pl├Ątschern
aufgeregter Wellen
l├Ąsst die Sehnsucht sp├╝ren
nach dem Etwas, dass oft
man gesucht und niemals fand.
Du schaust mich an.
In deinen klaren Augen liegt
ein Schimmer der Z├Ąrtlichkeit.
die ich so lange vermisst.

Wir geh'n den Weg zur├╝ck.
Der Abend deckt alle Tr├Ąume zu,
ungenannte W├╝nsche der Herzen
verlieren sich unten am Fluss.
Als ich dann aus meinem Traum
erwachte, war es Morgen.
***
 

 

 

 


Ein Stern
Eine k├╝hle Novembernacht.
Inmitten wei├čer Wolkenpracht
in dunkelblauer Himmelsferne
unendlich viele Sterne.
Einer strahlt fast wie ein Gru├č.
Das ist mein Stern: Die Venus.
***
 

 

 

 


Ikarus

Noch bevor die Sonne erwachte,
entfaltete Ikarus seine Schwingen,
flog weit ├╝ber die Ebene
bis an den grossen Strom.
Dort, wo ein Pylon den Fluss ├╝berragt,
stand ein ┬╗Daheim┬ź,
das er so lange schon suchte.

Doch kam er dabei dann
der Sonne zu nah,
seine Schwingen verbrannten.
zu gl├╝hender Asche.
Und nichts blieb zur├╝ck
als ein Gebirge von Liebe,
das Ikarus einst sich ertr├Ąumt.
***

 

 

 

 

Somniator

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