Gedenke des Todes

Memento mori

 

Sterbende Träume

Nacht, in der Träume sterben.
Ruhelos drehn sich die Zeiger der Uhr
im ewigen Rhythmus.
Sie zerhacken die Zeit
in winzig kleine Segmente.

Ruhelos auch dreh 'n sich die Gedanken
im Kreise, irren durch lichtlose Räume,
fragen die Finsternis
nach dem Grund des Geschehens.
Doch nie eine Antwort auf ihre Fragen.

Nacht, in der Träume sterben,
noch bevor sie zu Ende geträumt,
sind sie vergangen.
Man begräbt sie dort an der Strasse,
wo Gestern und Morgen sich kreuzen,

nur der Zeiger der Uhr
weiß allein diese Stelle,
doch er schweigt rücksichtsvoll,
denn bei diesem Begräbnis
sind Blumen verboten!
***
 

 

 

Der bewusste Tag

An jenem Sommertag,
als die Sonne ihre Kraft verlor,
als die Welt ganz plötzlich schwieg,
als alle Blumen ihre Köpfe senkten,
da bedeckten sich die Blätter
mit hellglänzendem Tau.
Oder waren es nur meine Tränen?
***
 

 

 

 

Letzter Weg

Ein schmaler Pfad.
Du gehst ihn ganz allein,
am Rand der blauen Nacht
sagst du so nebenbei Ade.

Längst sind die roten Rosen
weissen Lilien gewichen.
In Buchenhecken links und rechts
wohnt still der Friede.

Du suchtest ihn schon lange.
Nun hat er dich gefunden
und ohne viel zu fragen
einfach mitgenommen.

Die schwarze Amsel im Geäst;
voller Inbrunst singt sie dir
ein leises Abschiedslied
auf dunkelgrünen Zweigen.

Als ob er grüssen wollte,
schleicht ein heller Sonnenstrahl
ganz zart durch dichtes Laub
auf deine staubbedeckten Wege.
***
 

 

 

 

Eines Morgens ...

Sie dort am Strand.
Vor ihr das Sichtbare,
das Meer, das alles
Beherrschende.

In tauben Ohren wogen
weiße Schaumkronen,
brechen sich am Ufer
hellblauer Augen.

Schauen weit seewärts,
die starren Blicke
verharren im Reigen
sinnloser Hoffnung.

Kühler Sand
zeigt Spuren von Leben,
Wind verwischt Zeichen
vergänglicher Stunden.

Die Möwen droben
ziehen endlose Kreise,
Wolken der Trauer
geleiten den Abschied.

Ich in den Dünen.
Mit tränenden Augen
Sehe ich in der Ferne
Blaulicht im dunstigen Watt.
***

 

 

 


Wer warst du?

Ihr Name: Katharina,
ihr ganzer Schmuck
ein Sträusschen Margeriten
schon farblos, fast verdorrt
zwischen gelben Gräsern.

Ein kleines braunes Kreuzchen
darauf verwischt
in winzig kleinen Lettern
neben einer Jahreszahl:
Kathi, wir vermissen dich ...

Wer warst du, Katharina?
Am Strassenrand
erlosch ein junges Leben!
Du unbekanntes Kind
dein Kreuz bleibt im Gedächtnis!
***

 

 

 


Letzter Traum

Das Blau der Nacht
streichelt mit bebenden Händen
über die Saiten.
Schwingende Töne umwerben
die schlummernden Sinne
in Kadenzen der Illusion.
Und mit wachem Gefühl
weint sich die Seele letztmalig
in den ewigen Traum.
***
 

 

 

 


Königin der Nacht

Wie eine Königin der Nacht
erblühtest du
mitten im dunklen Leben.
Zu kurz war dieser Blütentraum
für dich, doch allzu schnell
ist es schon Vergangenheit.
***
 

 

 

 

Vergänglichkeit

Ein Hauch von Ewigkeit erfüllt den Raum.
Ahne ich die Wirklichkeit?
Ist es ein Traum?
Die wilden Jahre sind doch
schon Vergangenheit.
Durchs Fenster fallen Schatten.
Vergänglichkeit!
***

 

 

 

 

In der Weite des Himmels

Immer noch suche ich dich
auf des Schlafes anderer Seite.
Doch finde ich dich nicht,
dort in der unendlichen Weite
der blauen Himmelshöhn,
wo Wolken wie Schleier wehn,
bist du nun daheim.

Wunderschön die Zeit mit dir,
sie gab mir Leben und Sonne,
Unsere Tage, diese Tage mit dir,
waren voll Liebe und Wonne.
Jetzt im Frühmorgenlicht
versinke ich in alten Träumen,
sie schweben mit dir ganz dicht
in unseren nächtlichen Räumen.

Ich weiss, nach Äonen von Stunden,
sind wir wieder verbunden.
Dieses Spiel der Gedanken
gibt Hoffnung, und ich will danken
dafür, dass wir beide uns hatten,
und wenn am Abend ein Schatten
wie ein Hauch in mein Zimmer fällt -
dann ist es ein Gruss einer anderen Welt.
***

 

 

 

Ihre Spuren von damals

Sie wandert die Spuren entlang,
dort wo Pfade sich kreuzen
am verwilderten Efeu
grauschimmernder Bäume.
Sucht dann in der Kühle
im bläulichen Dunkel
vergebens die warme Hand.

Alt wurde die Zeit, alt ihr Sehnen,
alt auch schließlich der Schmerz,
der nur Asche von dem ist,
das einstmals dort brannte.
Der Nachtigall Jubel verstummte
und die Blüten der Rosen
bedeckte das fallende Laub.

Die Platte aus Marmor allein
blieb erhalten aus jenen Tagen,
als damals in zu früher Stunde
das lodernde Feuer erlosch.
Erbarmungslos holt nun seitdem
das vielversprechende Leben
die alten Zeiten ständig zurück

 

top (2)

Der bewusste Tag
Eines Morgens
Ihre Spuren von damals
In der Weite des Himmels
Königin der Nacht
Letzter Traum
Letzter Weg
Sterbende Träume
Vergänglichkeit
Wer warst du?

top
vorherig
nächste
top (2)