Ironie und Satire

Satira


Bin ich jetzt alt?

Einst hab ich dich bewundert,
Du Spinnwebfaden
Im ersten Raureiflicht des Winters.
War fasziniert von deiner Schönheit,
Dieser filigranen Technik der Natur
Das zwischen Tannenzweigen
Ein kurzes Dasein zauberte.

Seit ich nun - in meinen Jahren -
Mit dieser herrlich weißen.
Schönheit auf dem Kopfe
Konkurriere, lässt mich
Dieses Wunder kalt.
Werd ich nun langsam alt?
***
 

 

 

 

Es war einmal

Es war einmal, ist fast nicht mehr wahr,
da gab's an der Spitze von einem Staat
einen netten Herrn im weißen Haar
(Oder war es ein staatlicher Rat?)

Seine Macht kam weniger vom Volke her,
aber es wurde mit Strenge regiert,
ein Vorsitzender hat es sicher auch schwer.
Trotzdem war manch einer privilegiert.

Später liefen ihm die Menschen fort,
kann sein, es hielt niemand mehr aus?
Für kein Land ist das gut und für keinen Ort,
denn so mancher ging fort, verließ sein Haus.

Sozialistisch heisst ja dem Sinne nach:
Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität!
Die Straße wurde nun endlich wach -
für Sozialismus war es da aber zu spät.

Der Vorsitzende staunte darüber gar sehr,
man sah ihn förmlich vor Zorn erbeben.
Plötzlich war er kein Vorsitzender mehr.
Er kam zu spät, ihn bestrafte das Leben!

So geht es zu in einer Volks-Demokratie,
jemand gräbt eine Grube, fällt dann selber tief.
Manche sonnen sich heut noch in Nostalgie -
ersticken wahrscheinlich im eigenen Mief !

Drum habet gut acht, Gold ist nicht alles,
was da glänzt in der eigenen Republik!
Denn wirklich: Im Falle eines Falles
kommt vielleicht einmal alles zurück!

Wer will bestreiten, dass unser Staat,
in diesen verrohten, unmenschlichen Zeiten
doch auch eine Menge Fehler hat,
die uns durch das Jahrhundert begleiten?

Doch eines ist klar, daran sollten wir denken:
Wir haben für unser Vaterland,
sollten wir uns dabei das Gehirn auch verrenken,
keinen besseren Staat zur Hand!
***
 

 

 

 

 

Das Wässerchen

Ein jeder Mensch ist manchmal krank,
doch dafür gibt es Gott sei Dank,
ob es nun Schmerz ob Fieber sei
aus der Apotheke `ne Arznei.

Wenn ich nun auf den Zettel gucke,
was ich zur Besserung dann schlucke,
versuche ich, es auch zu lesen,
denn schliesslich will ich ja genesen

vom Übel, dem vermaledeiten
und lasse gern mich davon leiten
was dort geschrieben klitzeklein
zu dem Gesundheitswässerlein.

Entziffern konnt ich nicht die Schrift,
doch dacht ich mir: Dies ist kein Gift!
Deshalb nahm ich gleich mit Hauruck
aus dem Fläschchen einen Schluck.

Ich habs versucht, ich kanns euch sagen,
jetzt lieg ich hier seit zwei, drei Tagen
kann nicht sterben und nicht leben!
Doch einen Rat kann ich euch geben:

Wenn ihr so krank, wie ich es war,
dann ist bei euch doch eines klar,
ihr müsst drauf achten, was ihr trinkt,
und nicht was jemand euch mitbringt!

Ich habs versäumt, das ist mir peinlich,
ich bin ja wirklich sonst nicht kleinlich,
wollt blind dem Wässerchen vertrauen, -
es war ein Mittel zum Verdauen!
***
 

 

 

 

 

Hofleben damals

Neblige Perlen auf taunassem Gras.
Eine dicke, rotbunte Kuh frass
wahrscheinlich viel zu viel Klee.
Jetzt tut ihr grausam der Pansen weh.

Die weissen Gänse am Weiher dort
sie möchten liebend gerne fort;
dahin, wo in den Wolken droben
ihre Verwandten die Freiheit loben.    

Eine Hühnerschar da auf der Wiese,
vierundzwanzig sind es nach Adam Riese,
legt die Eier noch nach alter Weise -
aber ganz bestimmt nicht leise.

Der bunte Hahn auf dem großen Misthaufen
möchte mit dem Konkurrenten gern raufen.
Doch leider kräht der zu weit in der Ferne,
das ist zu viel Stress, drum bleibt er gerne.

Ein paar Schweinchen vergnügen sich in der Suhle.
(Das ist eine schlammige, nasse Kuhle.)
Die Sau passt gut auf, denn das ist ihre Pflicht,
doch mitzusuhlen, nee, das mag sie nicht.

Auf der Weide zwei Schimmel traben geschwind,
sehr elegant, wie zwei Federn im Wind.
Sie freuen sich des Lebens, weil sie gerne laufen -
doch morgen will sie der Bauer verkaufen.

Der Kater auf der Tenne schleicht durch das Stroh,
da war doch ein Mäuschen? Er weiss nur nicht, wo!
Die Maus sitzt im Nest, hat sich schnell versteckt
und hofft, dass der Kater sie nicht entdeckt.

Nero, der Hofhund liegt konzentriert vor der Hütte,
überwacht den ganzen Hof, das ist ja so Sitte!
Er würde auch lieber durch die Felder jagen,
doch er traut sich nicht, den Bauern zu fragen.

Ja, so war es früher, auf dem Bauernhof das Leben.
In dieser Form wird es das nie wieder geben!
Heute berechnet der Computer den Ertrag auf dem Feld,
und was dann dabei rauskommt, ist bares Geld.
***

 

 

 

 

Das Leben.

An einem Sonnentag wirst du geboren,
erblickst mit einem Schrei das Licht der Welt,
irgendwie wurdest du wohl auserkoren,
um zu tun, was Anderen gefällt.

Du lernst laufen, sprechen und essen,
und noch so manch andere Pflicht,
wirst dann sofort daran gemessen,
ob du es begreifst oder auch nicht.

Du gehst zur Schule, um weiter zu streben,
Rechnen, Schreiben, Physik und Chemie.
Alles versuchst du dort zu geben.
Auf der Strecke bleibt meist die Fantasie.

Durch die Zeit wirst du nun getrieben,
dein kleines Hirn wird mit Daten gefüllt.
Du kannst es nun hassen oder lieben,
letztlich wird doch mit dir nur gespielt.

Du sollst für dich selber lernen!
So wirst du oftmals ermahnt!
Vom rechten Pfad sich niemals entfernen,
weil man nur so sein Leben plant.

So vorbereitet und mit grossem Elan
betrittst du sodann die Arbeitswelt.
Bis jetzt hast du ja noch nichts getan -
Ab heute jedoch arbeitest du für Geld!

Du spürst gleich den Unterschied,
ob arm du bist oder auch reich.
Jeder ist seines Glückes Schmied!
Leider sind nicht alle Menschen gleich.

Wenn du wohlhabend schon geboren,
spürst du kaum den Frust, die Last.
Als Armer, hast du da nichts verloren,
weil du ja nicht in das Schema passt.

Du willst nun kein Schmarotzer sein,
darum musst du, wie jeder andere dienen!
Lässt dich auf jede Arbeit ein,
kennst auch keine sozialen Schienen.

Du arbeitest meist für die Katz,
doch wirst du dabei einmal krank,
vielleicht verlierst du den Arbeitsplatz.
Dein Nachfolger sitzt schon auf der Bank!

Du lernst: Der Chef hat immer recht.
Du bist bei dem Spiel doch nur Zweiter.
Wehrst du dich aber, geht es dir schlecht.
Da ist kein Platz auf der Karriereleiter.

Du wirst dann zum Bücker oder Kriecher -
oder du wirst halt arbeitslos.
Es sei denn, du hast den richtigen Riecher
und spielst selbst den grossen Boss.

So vergehen dabei deine besten Jahre,
du rackerst nur noch für Hungerlohn,
Und deine ersten grauen Haare
freuen sich schon auf die Pension.

Doch Pension, das ist doch nur ein Wort,
das Alter reisst dich in ein tiefes Loch.
Die Felle schwimmen dir langsam fort.
Pension? Gibt es die wirklich noch?

Wenn ja, dann freu dich an ihr,
wenn nein, kannst du auch nichts tun.
Bezahlt hast du ja immer dafür,
ein Privileg bleibt dir: Dich auszuruhn.

Bist du nun gesund und hast Geduld,
bekommt ja alles noch mal einen Sinn.
Doch bist du krank, hat niemand schuld.
Du wirfst dann nur noch dein Leben hin.

Es war ja doch wohl nur ein Traum,
so siehst du es aus deiner Sicht.
Lebenswert war es so manches Mal kaum.
Vom Tod bekommst du die Antwort nicht!

Du wurdest geboren, um zu sterben,
dein Leben war doch nur ein Zwischenspiel.
Wolltest du dich dafür bewerben?
Freund, dies ist kein Anfang, es ist das Ziel!
***
 

 

 

 


Fast ein Gedicht

Frühmorgens flattern die Gedanken
um mich herum wie bunte Blätter,
um Worte wollen sie sich ranken.
Schliesslich erscheint als Retter
ganz banal, nur
meine Tastatur.

Die küsst ganz zärtlich das Papier,
malt kunstvoll schwarze Zeichen
meines Denkens heut und hier,
oft auch mit Fragezeichen,
schnell eine Kopie
meiner Fantasie.

»Der Takt kommt aus der Stimmung!«
sprach Goethe einst zu Eckermann.
So schaffen mit Verzögerung
diese kleinen Zeilen dann
ganz schlicht
ein Gedicht.
***
 

 

 

 

 

Nachfrage

Wenn einer fragt:
Wie geht es dir?
Will er es wirklich wissen?
Und höflich sagst du:
Danke gut!

Dabei geht’s dir bescheiden.
Du schliefst schon lange
keine Nacht mehr,
weil dich die Schmerzen plagen.
Doch sagst du freundlich:
Danke gut!

Doch musst du das auch sagen?
Ihr lieben Leute,
fragt nicht nur
aus rein höflichen Gründen.
Denn wenn die Antwort:
Danke, schlecht!
Könntet ihr das nachempfinden?
***
 

 

 

 

 

Der Sonntagsausflug

Länger werden jetzt die Tage,
länger werden auch die Staus.
So manches Mal kommt da die Frage:
Fahren wir oder bleiben zu Haus?

Am Sonntag lockt uns die Natur
mit blauen Seen und grünem Wald.
Wir sehnen uns nach Erholung pur,
brausen dahin, hübsch angeschnallt.

Die Mutti ruft: »Da vorn ist was los!
Macht doch mal das Radio an.«

Darauf die Ansagerin  ganz burschikos:
»Zwölf Kilometer Stau auf der Autobahn!«

So war das wirklich nicht geplant,
Das hatten wir uns anders gedacht.
Oma ruft von hinten: »Ich habe das geahnt!
Da vorn hat es bestimmt gekracht.
«

Da stehen wir nun im trauten Verein
mit Vielen, die auch noch weiter wollen.
Gottlob, wir sind es nicht allein,
deren Reifen nicht vorwärts rollen.

»Ich muss mal«, schreit da der Kleinste laut,
die Tochter ruft: »Ich hab kein Netz!«
Beides klingt so unheimlich vertraut,
fast wie ein Familiengesetz.

Nach zwei Stunden, welch grosses Glück,
sind wir schon hundert Meter weiter!
Das ist immerhin doch ein ganzes Stück
für uns und die ganzen Begleiter.

Dann auf einmal geht es schnell,
Die lange Wagenschlange rollt.
Die Sonne scheint so richtig hell,
nurs Töchterchen, das grollt.

Weil sie ihn nicht erreichen kann,
und morgen früh erst sieht,
schaut sie empört ihr Handy an,
das schnöde sie verriet.

Die Oma ruft »Ich will nach Haus,
vier Stunden Ausflug sind genug!«

Da an der Ausfahrt fahrn wir raus,
vorbei endlich der Spuk.
***

 

 

 

Der Krug

An einem herrlichen Morgen,
spazierte ich ganz ohne Sorgen
ich glaub, es war im August,
durch `nen Tannenwald voller Lust.

Da sah ich ihn rechts am Wegesrand,
nahm ihn vorsichtig zur Hand,
einen unscheinbaren Krug im Dreck,
den Schmutz, den kratzte ich weg.

Ich schüttelte ihn ganz sacht,
es war mir, als ob jemand lacht,
hielt ihn dann an mein Ohr,
es kam mir schon komisch vor.

Obenauf ein Korken, sicher uralt,
ich zog daran mit etwas Gewalt
und drehte und zerrte daran,
endlich entkorkte sich alles dann!

Aus dem Krug zum Himmel empor
sprang ein Dschinn aus dem Krug hervor
In eine schwarze Wolke gehüllt -
Ein wirklich  absonderliches Bild.

Ich erstarrte darauf fast zu Stein,
 »Mein Gebieter sollst du nun sein!«
Seine Stimme laut wie Donner klang.
Da wurde mir doch ein wenig bang.

»Ich habe mich herzlich gefreut
denn du hast aus der Haft mich befreit,
in der ich tausend Jahre verbracht,
darum habe ich vorhin so gelacht!

Zum Lohn hast einen Wunsch du nun frei!«
Jetzt bei meiner ganzen Grübelei
überlegte ich nun her und auch hin -
mir kam überhaupt nichts in den Sinn.

Da schoss ein Gedanke mir plötzlich ein
und das konnte dann so schwer nicht sein:
»Bau mir eine Brücke übern grossen Teich!
Will ich mal nach Rio, da bin ich dann gleich!«

Da hört ich den Geist ganz leise weinen:
 »Das kannst du doch nicht wirklich meinen,
du weisst doch, Gott bin ich nicht,
such dir etwas anderes, ich bitte dich!«

Na gut, eine andere Möglichkeit noch:
»Politik verstehen, da hilfst du mir doch?«
Darauf flüstert der Geist,
es war kaum zu verstehen:
»Willst du mit dem Auto
oder zu Fuss über die Brücke gehen?«

 

 

 

Kritikaster

Es ist nicht leicht in unseren Zeiten,
Ein superfein Gedicht zu reimen,
Denn zu der hehren Lyrik Weiten
Führt ein Weg nur im ganz Geheimen.

Der Regeln gilt es viele einzuhalten,
Sie streng befolgen, so ist das Gebot.
So etwa dichteten unsere Alten:
»Morgenrot, leuchtest mir zum frühenTod!«

Unantastbar sein, das sei dein Streben,
Denn in der hehren Lyrik Hallen
Wird die falsche Form dir nicht vergeben
Und du bist ganz schnell durchgefallen.

Die heilige Regel steht absolut fest,
Sie kennt schon jeder Gymnasiast,
Sie widersteht auch jedem Härtetest,
Wenn sie nicht in das Schema passt!

Jenseits von Trochäen und der Metrik
Geht dich das Dichten gar nichts an!
Was soll'n dir die Facetten unsrer Lyrik?
Perfektion ist wichtig, streng nach Plan.

Ein Dichter soll sein Werk doch formen,
Doch Wortgewalt hat keinerlei Gewicht.
Es geht heut nur noch um die Normen.
Romantische Gefühle zählen nicht!

Ich rate dir, herzlieber Dichter- und -rin,
ob Sonett, Terzett, ob Ballade du gewählt,
ob Paar- oder Kreuzreim du im Sinn:
Schreib so wie du willst - das alleine zählt!

 

 

 

 

Der Kleine mit dem Bogen

Ich traf heute den Kleinen
im Park auf einer Bank.
Ganz leis hört ich ihn weinen,
Ich fragte, ob er krank?

Ein Flügel war gebrochen,
es schmerzte ihn wohl sehr.
Es war der Schulterknochen,
und vielleicht noch mehr.

Er sah mich an so schmerzlich
und reicht mir seine Hand,
ich bedauerte ihn herzlich,
als ich ihn dann verband.

Ich reicht ihm seinen Bogen,
der Köcher war schon leer.
Sicher wär er gern geflogen,
doch das ging nun nicht mehr.

Ich nahm ihn mit nach Hause,
dort wartete mein Schatz.
Er brauchte eine Pause,
wir hatten ja noch Platz!

Heute nach dem Frühstück
setzt er mit Dank die Reise fort,
wünschte uns noch Glück,
ist nun an einem anderen Ort.

Drum liebe Leute, wenn ihr
in meinem Park spazieren geht,
achtet auf die Bänke hier,
ob Amor nicht danebensteht!

 

 

 

Ohne Worte

Vor Jahren schrieb ich ein Gedicht,
ich weiss nicht mehr, warum. -
Möcht Euch nur bitten, lest es nicht!
Für echte Dichter ist’s zu dumm.

Denn was ich seinerzeit so schrieb,
das hatte weder Hand noch Fuss,
So irgendwas von »Herz« und »Lieb.«
Wahrscheinlich wars ein Gruss.

Vom Text her klang es ganz banal,
ich bitte Euch, mir zu verzeihn!
So etwas gabs schon tausend Mal.
Doch dieses war für mich allein.

Ich hab es nur für mich gemacht,
und dabei ist es völlig klar:
Da es für Andere nicht gedacht,
brauch ich auch keinen Kommentar!

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