Jahreszeiten

Tempus Anni


Herbstgedanken

Ganz sachte schleicht
ein herbstliches Gefühl
in meine Seele.
Wie Blätter fallen nun Gedanken
in den nassen Boden
meines Seins,
verwelken dort
unmerklich.
Doch irgendwann
wird aus der Fäulnis
im nächsten Frühling
neues Leben einst erstehen,
es braucht nur seine Zeit.
***
 

 

 

 

Herbsteinzug

Auf verschlungenem Weg,
doch schon erwartet,
hält der Herbst wieder Einzug
in unser Land.
Rotgoldene Blätter,
sanft taumelnd im Winde,
sinken müde zu Boden
als letzter Gruß.
Schäfchenwolken ziehen
über leere Felder,
wo goldgelber Mais einst
im hellen Licht stand.
Der natürliche Kreislauf
wird wieder beginnen,
wenn die Knospe des Frühlings
den Winter besiegt.
***
 

 

 

 

Herbstahnung

Glitzernde Spinngewebe
ohne Zahl,
auf buntem Laub
verschämter Sonnenstrahl,
die letzten Blumen grüßen
als wollten sie auf ihre Weise
den Abschied mir versüssen.

Weisse Nebelschleier
über dem Fluss.
In breitem Keil ziehen
wie ein Abendgruss
noch wilde Schwäne in die Nacht.
Der Duft von Moos
an einem morschen Baum
betäubt die Sinne
und fast wie im Traum
erahne ich des Herbstes Macht.

Durch Wolkenfetzen
schimmern Sterne.
Schwarzblauer Himmel,
in der Ferne schreit
auf ihrem Streifzug eine Eule.
Mir ist, als spürt ich
ihren Flügelschlag.
Langsam weicht die Dunkelheit
dem jungen Tag -
nur noch eine kleine Weile.
***
 

 

 

 

Septembertag

Wildwüchsige Weiden wiegen sich sanft
über wirbelnden Wassern,
flüsternd erzählen sie leise
von wärmenden Tagen des Sommers,
vom Licht des Mondes,
das bläulich schimmernd,
fast schattenlos die kleine Welt erhellt.

Sonnenlicht bricht sich grell gleissend
auf spiegelnden Wellen des Flusses,
ich schliesse die Augen,
von schmerzlicher Helligkeit überwältigt
und höre nur säuselndes, wisperndes Schilf
ganz verhalten sich regen,
als wollte es mir zur inneren Ruhe verhelfen.

Der Wind spielt ganz sachte
in deinem Seidenhaar, du lächelst mir zu
voll grenzenloser Zärtlichkeit.
Ich sehe Wasser, Sonne und Mondlicht zugleich
wie silberne Pünktchen
im Aquamarin deiner Augen.
Der Duft deiner Haut betäubt meine Sinne.

Zur Einheit verschmelzen
Gedanken, Seele und Geist.
Körper berühren sich in
ahnungsvollem Schweigen,
wissend dass hinter den Träumen
des Tages die Wirklichkeit wartet
mit naturhafter Kraft!

Gelebte Liebe in gestohlener
gemeinsamer Stunde,
dankbar fühle ich deine weiche Hand,
dein Mund sagt mir schweigend,
was du vorher nie zu sagen gewagt;
und in Wasser und Sonne und Wind
erkenn ich der Liebe tiefstes Geheimnis
und spür voller Glück, dass du da bist,
ganz nahe bei mir.
***
 

 

 

 

Herbstfantasie
Ich gesteh, ich bin verrückt!
Hab in der Frühe
ganz ohne Mühe
nach einem Blatte mich gebückt.
Dies Ahornblatt, gelb und rot,
schenkte mir der Wind,
Er sprach: Mein Kind,
dies Blatt ist leider tot!
Du aber stehst im Leben,
du kannst denken,
dich verschenken
und noch viel Liebe geben.
Ich sprach: Ich habe Fantasie,
bin ein verrückter Mann,
mal den Regenbogen an
und singe wie noch nie!
Der Herbstwind lachte leise,
streichelt dann am Wegessaum
den alten Ahornbaum!
Ich wünschte ihm »Gute Reise!«
***
 

 

 

 

Heimkehr des Herbstes

Der Herbst kehrte heim.
Gelb färbten sich Blätter.
Ruhelose Stille bewegt den Wald.
Ein Ahnen von Unendlichkeit
erfasst des Wanderers Sinne.

Er schaut zum spinnwebgrauen Himmel,
wo unüberhörbar Wildgansgeschrei
die Silberwolken erfüllt.
Schmerzliches Sehnen erfüllt die Seele,
spürst du, Mensch, die Gnade des Heute?

Weisst du, ob dir mit wärmender Kraft
im Frühling die Sonne erscheint?
»Nutze den Tag«, so steht es geschrieben,
und doch scheint das Morgen so nah,
dass “Nutze die Stunde” viel treffender wäre.

Der Herbst kehrte heim.
Weiss färbten sich Locken.
Ruhelose Wehmut erfasst das Gemüt.
Ein Ahnen von Unendlichkeit
erfasst müde Augen,

wo in nächtlicher Stunde
junge Gedanken
auf den Feldern des Frühlings
noch blühn und Wildgänse
in die andere Richtung ziehn ...
***

 

 

 

Herbstliche Liebe

Magentafarbener Schleier
am dunkelblauen Morgenhimmel
verhüllt ganz liebevoll
die Bilder bunter Träume.
Die Nacht entschwindet schon
auf leisen Schwingen
ins Nirgendwo des hellen Tages.

Du schaust mich lächelnd an
und aus deinen hellen Augen
verbreitet sich ein Schimmer
jener Zärtlichkeit um uns,
die als Erinnerung
schon lange uns begleitete,
kaum dass wir einander kannten.

Die Nacht nimmt Abschied,
wechselt mit dem Morgen ihre Farben
und aus dunklen Schatten
erwachen jetzt pastellene Töne.
Auf der Palette einer Liebe
erzählen herbstlich bunte Farben
von zarten liebevollen Stunden.
***
 

 

 

 

Wintergefühl

Mit hauchdünner Haut
Wandere ich durch diese kalte Zeit.
Ohne den Schutz eines Pelzes
Setze ich mich der Kälte aus.
Ganz ohne Schuhe laufe ich
Auf dem dünnen Eis meiner Freude
und spüre doch unentwegt,
wie brüchig der Tag ist.
Trotzdem lach ich und singe
Das Lied des Lebens,
auch wenn mir der Ton
in der Kehle gefriert.
***
 

 

 

 

Wintersturm

Und mitten in der Nacht:
Der Wintersturm
zog schnaubend übers Land.
Die windzerfressenen Wolken
beeilten sich, am Wettkampf
teilzunehmen und ihre Preise
zu erringen.

Nie war das Morgenlicht so fahl,
am Rand der Nacht
war nun das Ziel der Wünsche
nicht mehr zu erkennen,
das einst in süßen Träumen
an Sommertagen das Leben
voll erfüllte.

Dann kehrte wieder Ruhe ein!
Doch lagen alle Bäume
mit verstörten Seelen tief
Unter Schnee und Eis begraben.
Wer wagt es nun, die Trümmer
dieses ungestümen Wetters
wegzuräumen ...
***
 

 

 

 


Dezembermorgen

Am Birkenweg,
gleich hinterm Ufersteg
verlöschen langsam die Laternen.
Hoch droben, zwischen matten Sternen

schimmert schon das Morgenblau
auf silberperlengleichen Tau.
Dort am Gartenzaun,
man bemerkt ihn kaum,

steht ein uralter Rosenstrauch.
Aus einem Kamin quillt weißer Rauch.
Ein Dompfaffpärchen in den Bäumen,
erwacht aus Winterträumen,
fliegt frei von allen Sorgen
in den Dezembermorgen.
***

 

 

 


Über den Fluss

Komm mit hinüber
In das neue Jahr
Sag noch mal Tschüss
Der Blick schweift noch
Zurück zum Gestern.
Dann noch ein leises Lächeln
Und die Erinnerung -
Sie bleibt in dir
Als heller Schein
Hinter allen Schatten!
***
 

 

 

 

Altjahrsabend

Ganz leise schwebt das Laub von dürren Bäumen,
es heisst nun Abschied nehmen von den Träumen,
die nicht mehr zu erreichen sind.

Als dieses Jahr noch jung in seiner Wiege lag,
lachte uns voller Morgenröte jeder Tag,
voll Begeisterung versprach es Glück.

Nun ging das Jahr dahin auf leisen Sohlen.
Oftmals verwirrten seine Kapriolen,
mit denen es uns überraschte.

Auf dem Kalender les ich: einunddreissig!
Dies Jahr ist nun vorbei, sicher, das weiss ich,
schau trotzdem noch einmal zurück.

Adieu sagen uns des Jahres letzte Tage,
viele Wunden, viele Freuden, manche Klage,
sind fast in Vergessenheit geraten.

Mit Knall, viel Lärm und lautem Krachen,
begrüssen wir das Kommende! Wir lachen
und schaun voll Neugier aufs Kalenderblatt.

Ein neues Jahr liegt da vor uns in Kindsgestalt.
Ob wir es noch erleben, wenn es alt?
Das weiss niemand. Gott sei Dank!

Ein guter Wunsch soll uns begleiten,
in das Neue, in die Zukunft leiten:
ein frohes Neues Jahr!

***
 

 

 

Springtime

Springtime is coming
all over the forest,
birds are singing and
trees have a new dress
why does my soul have
a feeling of sadness?
***
 

 

 

 

Frühlingsversprechen!

An einem weissen Wintertag
fand ich im stillen Tannenwald
mich wieder. Auf den Wegen lag
noch tiefer Schnee, und bald
sah hinter mir ich nur
meine eigne Spur.

An einer Wegegablung dann,
vortrefflich gut versteckt,
in einem dunkelgrünen Tann
hab ich ihn dann entdeckt:
Bass erstaunt sah ich ihn an -
Es war ein junger Mann.

Frisch und munter anzuschauen
mit blanken Augen, hellem Haar,
kaum konnte ich den Augen trauen,
dass solch ein Typ im Tannwald war.
Ich redete verdutzt ihn an,
da sprach empört der Mann:


»Was stört Ihr meine Ruhe hier,
ich frage Euch: warum so eilig?
Noch wohnt Herr Winter im Revier -
und meinem Vetter ist die Ruhe heilig.
Geduldet Euch noch ein paar Wochen,
dann komme ich, versprochen!«
***

 

 

 

Frühlingsmorgen

Finken schlagen
Frühlingstakte
in den silberhellen Morgen.
Haselzweige säumen alle Pfade.
Kätzchen, noch verborgen,
liebkosen mein Gesicht.

Ich liebe diese Stunden,
wenn Krokusse verschämt
mit Bellis tanzen
und Forsythius selber
die Geige spielt
am hinteren Gartenzaun.
***
 

 

 

 

Frühjahrsstimmung

Am Morgen streift ein kühler Wind
über Wald und Auen.
Wolkenbilder hängen wie Gemälde
am lichtblauen Firmament.

Von fern her tönt wie Flötenklänge
einer Amsel fröhlicher Gesang.
Zwischen kahlen Zweigen
hängt der rote Sonnenball.

Zur Tagesmitte ruht der Wind
über grünbraunen Feldern aus.
Eine Kette wilder Gänse
zieht mit hellem Schreien

übers Land dem Fluss entgegen.
Ein Sonnenstrahl
bricht durch die Wolken.
Es riecht nach Regen.

Abend wird’s, eine karminrote Sonne
sinkt hinter schwarzen Wäldern
in die Unendlichkeit der Nacht.
Alle Blüten schliessen ihre Augen. 

Stille breitet sich weit übers Land.
Die Sichel eines bleichen Mondes
zieht nebelschleiergleich
durch alle Zweige.
***
 

 

 

 

Frühlingsreigen

Wenn am Morgen die Sonne
die Erde küsst,
die lange Nacht
Vergangenheit ist,
wenn das Morgengrauen
dann ganz sacht
mit goldenen Strahlen, 
den Tag anlacht.
Wenn die Amsel
im Garten jubelnd singt,
zwischen bunten Blumen
ein Schmetterling
gaukelt zwischen Gräsern
und grünen Zweigen,
dann tanzt dieser Morgen
den Frühlingsreigen.
 

 

 

 

Und es war Frühling

Und es war Frühling,
als meine Hoffnung
mit den Tulpen blühte,
als mit den Veilchen im Moos
das Glück ich leuchten sah.
Doch allzu schnell verging
der Frühlingsblumen Pracht.

Und es war Sommer.
Mit weissen Lilien
begrub ich meine Hoffnung,
der rote Klee des Glücks
verwelkte rascher,
als meine Tränen ihn
begiessen konnten.

Und es war Herbst.
Mit jedem Tag,
an dem die goldnen Sonnenblumen
zum Licht sich drehten,
wuchs die Erwartung, dass Zeit
alle Wunden heilt und
unterm bunten Herbstlaub
neues Leben sich bereit macht,
dass nach des Winters  Pracht
im nächsten Frühling
wieder Blumen blüh‘n.
***
 

 

 

 

Wetterprognose

An manchen Tagen
erscheint
die Ferne mir
unendlich nah und klar,
doch oft vergesse ich dabei,
dass dies, meteorologisch,
stets nur ein Zeichen
von schlechtem Wetter war!
***
 

 

 

Frühlingstanz

Wenn am Morgen
die Sonne die Erde küsst,
die lange Nacht
Vergangenheit ist,
wenn das Morgengrauen
dann ganz sacht
mit goldenen Strahlen
den Tag anlacht.

Wenn die Amsel
im Garten jubelnd singt,
zwischen bunten Blumen
ein Schmetterling
gaukelt zwischen Gräsern
und grünen Zweigen,
dann tanzt dieser Morgen
den Frühlingsreigen.
 

 

 


 

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