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Die vierte Bitte des Vaterunsers
»Ja«, sagte Frau Neumann zu Frau Altmann, »Haben Sie schon gehört, was der BĂ€cker da angestellt haben soll? Ist das nicht ein starkes StĂŒck? Ich habe schon immer gewusst, dass da etwas nicht in Ordnung ist. Wer weiĂ, was da alles mit seinen Azubis passiert ist« » Richtig», sagte ihre Nachbarin, »und die Chefin ist dann noch betrunken Auto gefahren. Also ich finde das unerhört, es ist ein Skandal mit dieser BĂ€ckerei«. »Genau!« Frau Neumann ist empört. »Ich jedenfalls werde da kein Brot mehr kaufen, lieber essen wir gar keines mehr«. Frau Altmann nickt zustimmend. »Und auĂerdem gibt es ja noch viele andere BĂ€ckereien, nicht«? »So ist es, da kann man immer mal wechseln…«
Unser tÀgliches Brot gib uns heute.

Ja, liebe Freunde, ohne unser tĂ€gliches Brot können wir doch nicht leben, es gehört zu unserem Dasein, in welcher Form auch immer ist das tĂ€gliche Brot unerlĂ€sslich. Und wenn uns der BĂ€cker nicht zusagt, weil wir uns an ihm geĂ€rgert haben, weil uns die Einrichtung des Ladens nicht passt oder das Warenangebot nicht unseren Erwartungen entspricht? Was dann? Dann essen wir kein Brot mehr, dann hören wir eben damit auf… Wir brauchen aber unser Brot. Und wir brauchen unseren Gott! Gott ist das Brot des Lebens, so hat Jesus es selbst einmal formuliert: »Ich bin das Brot des Lebens«!
- Nun plötzlich aber passt uns der Laden – sprich die Kirche – nicht mehr. Das Warenangebot ist nicht auf uns zugeschnitten. Der Laden ist altmodisch, manchmal muffig, der Pastor, die Bischöfin, sie sind das rote Tuch, an dem wir uns Ă€rgern. Weil sie auch nur Menschen sind, fehlbar und keiner von ihnen schwebt ĂŒber den Wolken. Aber selten gibt einer der »Kunden« Anregungen, was getan werden kann, um alles moderner werden zu lassen. Und dann kommt noch hinzu: Nicht jeder mag es modern, manch einer liebt eben den alten Muff!
Ich erinnere mich an eine alte Frau, die ich einmal besuchte, und die mir sagte, dass sie schon zwanzig Jahre keine Kirche mehr von innen gesehen hatte mit der BegrĂŒndung, es sei ja nicht mehr so wie frĂŒher, es hĂ€tte sich alles verĂ€ndert und sie kĂ€me z.B. mit der Liturgie nicht mehr zurecht und auĂerdem sei die Pastorin ja geschieden...
Weil ich den BĂ€cker nicht mag, esse ich kein Brot mehr. Punktum, Streusand drauf.
Weil ein Pastor oder Pastorin Fehler macht, weil mir die Nase vielleicht nicht gefĂ€llt oder ihre Ansichten nicht mit meinen ĂŒbereinstimmen, brauche ich Gott nicht mehr, kein Brot essen heiĂt hier: Kein Gebet mehr, kein Austausch mit Gott, kein danken fĂŒr alles, was nicht selbstverstĂ€ndlich ist in unserem Leben.
- Da bleibt dann ja noch der Wechsel zu einem anderen »Laden«! Gewiss. Und dann? Irgendwann in der Zukunft reicht mir auch dort nicht mehr das Angebot.Es ist ungewiss, ob mir dort dann die VerkĂ€uferin, der BĂ€cker noch gefĂ€llt! Und dann? Erneuter Wechsel? Wie kann ich mich zu Hause fĂŒhlen, wenn ich nur stĂ€ndig auf VerĂ€nderungen starre, die mir selbst genehm sind.
Die BĂ€ckersfrau hat betrunken Auto gefahren. Gewiss ist das nicht in Ordnung, aber fragt vielleicht mal einer, warum das geschehen ist? Und sie selber leidet am meisten darunter, sie hat die Konsequenzen gezogen.
- Und der BÀcker? Es ist verwerflich, wenn pÀdophile Neigungen so geschehen können, und dieser BÀcker sollte auch bestraft werden, soweit das noch möglich ist.
Aber wo liegt der Grund? Ist nicht auch das System daran schuld, dass so etwas geschehen kann? Muss da nicht die BĂ€ckerinnung viel frĂŒher einschreiten, oder auch die Bedingungen Ă€ndern?
Nein, liebe Freunde, so einfach kann man es sich nicht machen; wer mit dem Zeigefinger auf Andere zeigt, vergisst dabei, dass vier andere Finger auf sich selbst zurĂŒckweisen! Ich esse trotzdem mein Brot, ich weiĂ, dass der BĂ€cker wichtig ist. Und dass ich auch hier in diesem BĂ€ckerladen Gemeinschaft erleben kann mit anderen Menschen, die auch das Brot des Lebens brauchen und lieben und es sich hier holen.
Ich bete zu Gott, dass ich keine PharisĂ€er-AllĂŒren bekomme. Denn ich weiĂ, dass auch ich Fehler mache. Immer und immer wieder. Und ich wĂŒnsche Dir, liebe Freundin, lieber Freund, dass Du dieses Verlangen nach dem Brot des Lebens nie aufgibst. Auch wenn der BĂ€cker oder die BĂ€ckersfrau mal Zucker mit Salz verwechseln!
Amen
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Gebet
Einmal am Tag nimm das Wort in deine HĂ€nde, ein Wort der Schrift.
Sei vorsichtig, es ist so schnell erdrĂŒckt und umgeformt, damit es passt.
Versuch nicht hastig, es zu verformen, zu pressen, damit es Frömmigkeit absondert.
Sei einfach einmal still. Das Schweigen, Hören, Staunen ist bereits Gebet und Anfang und Liebe.
Betaste das Wort von allen Seiten, dann halt es in die Sonne, und leg es an das Ohr wie eine Muschel.
Steck es fĂŒr einen Tag wie einen SchlĂŒssel in die Tasche, wie einen SchlĂŒssel zu dir selbst. Amen
Keinen Tag soll es geben, an dem ihr sagen mĂŒsst, niemand ist da, der uns hört. Keinen Tag soll es geben, an dem ihr sagen mĂŒsst, niemand ist da, der uns schĂŒtzt. Keinen Tag soll es geben, an dem ihr sagen mĂŒsst, niemand ist da, der uns hilft. Keinen Tag soll es geben, an dem ihr sagen mĂŒsst, wir halten es nicht mehr aus. So segne euch der barmherzige Gott.
(alter irischer Segen)
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