WEGEKREUZE


Herr, dreieiniger Gott

Wir bitten in dieser
friedlosen Zeit um den Frieden!

Für die Welt und ihre Völker.
Für die Länder und ihre Menschen.
Für uns selbst und unsere Herzen.

Dazu segne uns Gott der Allmächtige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen

 

 

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Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort,
das aus dem Munde Gottes geht.

[Math.4,4/  Deuteronomium 8,3 (5.Mose)]

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein! Diesen Ausspruch aus dem Matthäus-Evangelium kennt wohl jeder, auch wer nichts mit der Religion zu tun haben möchte. Es ist fast ein geflügeltes Wort geworden, weil es sehr viel ausdrücken kann, was mit anderen Worten kaum möglich ist.

Brot - im Altertum diente Brot dazu, Menschen ruhig zu stellen. Natürlich war Brot ein Synonym für alles, was der Mensch zum Leben brauchte. Brot und Spiele – und die latent unruhige Masse Roms war ruhig gestellt, wenn sie genügend zu essen hatte. Glaube nur niemand, es würde heute viel anders ablaufen!

Die großen Sportveranstaltungen werden gerade in unruhigen Zeiten, stets sehr gut besucht. Gerade die Machthaber in diktatorisch geführten Staaten geben Unsummen dafür aus, dass die Unruhe ihrer Bevölkerung durch große Sportveranstaltungen in spielerische Bahnen gelenkt wird und die Menschen somit schön »bei der Stange bleiben«.

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Immer mehr Menschen bei uns stellen jedoch fest, dass Brot allein auch nicht satt macht. Die verstorbene Theologin Dorothee Sölle hat das so formuliert:

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er stirbt sogar am Brot allein, einen allgegenwärtigen, schrecklichen Tod, den Tod am Brot allein. Den Tod, bei dem wir noch eine Weile weitervegetieren können, weil die Maschine noch läuft, den furchtbaren Tod der Beziehungslosigkeit: Wir atmen noch, konsumieren weiter, wir scheiden aus, wir erledigen, wir produzieren, wir reden noch vor uns hin und leben doch nicht.
 Alleinsein und dann alleingelassen werden wollen; keine Freunde haben und dann den Menschen misstrauen und sie verachten; die anderen vergessen und dann vergessen werden; für niemanden da sein und von niemandem gebraucht werden; um niemanden Angst haben und nicht wollen, dass einer sich Sorgen um einen macht; nicht mehr lachen und nicht mehr angelacht werden; nicht mehr weinen und nicht mehr beweint werden: Das ist der schreckliche Tod am Brot allein.
 

Das ist der Tod, von dem die Bibel spricht; der Mensch, für den die Anderen nicht Reichtum bedeuten, Herausforderung, Glück, sondern Angst, Bedrohung, Konkurrenz, der Mensch, der von Brot allein lebt und daran stirbt, am Brot allein, von dem man nicht leben kann.’

(Dorothee Sölle, Die Hinreise, Kreuz-Verlag, Stuttgart 1975, S.7 ff.)

 

Ist es nicht eigenartig? Es erinnert an das Murren des Volkes Israel in der Wüste, dass nach dem Auszug aus Ägypten auf wunderbare Weise Wachteln und Manna erhielt und doch unzufrieden war mit dem Gott, der es angeblich in der Wüste verhungern ließ!
Das wesentliche Zeichen der Zuwendung Gottes ist nicht das Brot in der Wüste, sondern die Gegenwart Christi mitten unter den Menschen.
‚Ich bin doch da’ sagt er, wenn er sich selbst als das Brot des Lebens anbietet. Es gibt im Johannesevangelium mehrere Geschichten wo Menschen mit Jesus reden und Jesus antwortet - aber scheinbar reden beide aneinander vorbei.

    Sie reden von Brot und Wundern. Er redet von Gott. Für ihn ist Gott das wahre Lebensmittel, der Mittelpunkt seines Lebens, der ihm die Luft zum Atmen gibt, das Leben und die Freiheit, die er zum Leben braucht. Es geht hier nicht um Juden, denen der Glaube fehlt, sondern um Menschen, die etwas erleben und es nicht einordnen können.
Und es geht um mich und die Frage an mich: Was macht diese Begegnung mit dir, was macht die Taufe mit dir, was macht das Hören des Wortes Gottes mit dir? Schmückt dich das Kreuz nur oder begleitet es dich im Denken, Fühlen und Tun? Mein Glaube und mein Unglaube sind gemeint.

‚Religion ist Opium fürs Volk’ Dieser Satz von Karl Marx ist im Grunde genommen ein tief christlicher Satz! Er erzählt von einer Kirche, die ihren Auftrag verloren hat, die Menschen reguliert statt ihnen von dem Herrn zu erzählen, der Menschen befreit aus realer Angst um das tägliche Brot. Und aus realer Not um den Sinn in ihrem Leben, das ist genau so wichtig. Dieser Herr gibt ihnen zu essen und er beruft sie in seine Nachfolge und fragt sie: »Was macht Ihr mit dem Brot, das Ihr im Überfluss habt?«

 

 

Herr,
wir möchten dich heute
nicht so sehr um etwas bitten.
Sondern wir beten zu dir,
dass du unsere Ohren für das öffnest,
was du uns schon längst
geschenkt hast.

Wir überhören an uns selber
und in unserer Welt vieles,
wofür wir dir dankbar sein können.
Für die glücklichen Augenblicke
 in unserem Alltag
sagen wir dir Dank.

Amen.